Die erste Frage vor dem Kauf eines kleinen Elektroautos lautet fast immer: Reicht die Reichweite? Die ehrliche Antwort: für den Alltag fast immer, für die Urlaubsfahrt mit Planung. Wir rechnen es am Beispiel des Geely E2 mit 47 kWh durch.
40 Kilometer am Tag
Der durchschnittliche Autofahrer in Deutschland legt am Tag rund 40 Kilometer zurück. Mit 47 kWh und rund 280 Alltagskilometern muss der E2 dann einmal pro Woche ans Kabel, im Winter zweimal. Wer 80 Kilometer pendelt, lädt jeden zweiten Abend. Wer zuhause oder beim Arbeitgeber laden kann, merkt davon nichts: Einstecken dauert zehn Sekunden, und morgens ist das Auto voll.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Reichweite und Tagesstrecke. Beim Verbrenner tankt man, wenn der Tank leer ist. Beim Elektroauto lädt man, wenn das Auto steht. Und ein Auto steht 23 Stunden am Tag. Die Frage ist also nicht „Wie weit komme ich?“, sondern „Wo steht mein Auto, wenn es lädt?“.

Die Rechnung für vier Fahrertypen
Der Wenigfahrer mit 20 Kilometern am Tag kommt mit einer Ladung zwei Wochen aus. Der Durchschnittspendler mit 40 Kilometern lädt einmal pro Woche. Der Vielpendler mit 80 Kilometern lädt alle drei Tage, im Winter alle zwei. Und der Außendienstler mit 150 Kilometern am Tag lädt jede Nacht, was an der Wallbox problemlos geht: 150 Kilometer sind rund 25 kWh, die sind mit 6,6 kW in knapp vier Stunden nachgeladen.
Wer die eigene Strecke kennt, rechnet so: Tageskilometer mal Verbrauch (im Alltag 17 kWh/100 km, im Winter 20) ergibt den täglichen Bedarf. Der Akku hat nutzbar rund 40 kWh, wenn man nicht unter zehn Prozent fahren will. Der Rest ist Division.
Die Reichweitenangst hat ein Verfallsdatum
Die Reichweitenangst verschwindet in der Regel nach zwei Wochen. Nicht, weil die Batterie größer wird, sondern weil man lernt, dass das Auto morgens immer voll ist. Beim Verbrenner fährt man mit halbem Tank durch die Woche, beim Elektroauto mit vollem Akku in den Tag. Der Kopf braucht ein paar Tage, um das umzustellen. Danach fühlt sich die Tankstelle wie ein Umweg an.
Wo der Kleinwagen an Grenzen kommt
Ehrlich bleibt der Guide auch hier: Auf der Autobahn bei 130 km/h schrumpfen 300 Alltagskilometer auf rund 230, im Winter auf unter 200. Das ist für die Fahrt zu den Schwiegereltern in 250 Kilometern Entfernung ein Ladestopp von 20 Minuten. Machbar, aber Planung. Wie das geht, ist Thema von Teil 2 dieser Serie. Für 95 Prozent aller Fahrten, und das sind die im Alltag, spielt es keine Rolle.
Rechenbeispiel: Wie oft muss der E2 laden?
Geely E2 Max, 47,14 kWh, Alltagsverbrauch 17 kWh/100 km (Winter 20), nutzbar 40 kWh zwischen 10 und 95 Prozent.
| Tagesstrecke | Bedarf pro Tag | Laden im Sommer | Laden im Winter |
|---|---|---|---|
| 20 km | 3,4 kWh | alle 11 Tage | alle 10 Tage |
| 40 km | 6,8 kWh | alle 6 Tage | alle 5 Tage |
| 80 km | 13,6 kWh | alle 3 Tage | alle 2 Tage |
| 150 km | 25,5 kWh | jede Nacht | jede Nacht |
Nächste Folge: AC oder DC, und warum 80 Prozent die magische Grenze ist. Die zwei Arten zu laden, die Ladekurve, und was die Zahl auf dem Säulendisplay wirklich bedeutet.