Beim Verbrenner hat sich nie jemand gefragt, wie der Tank funktioniert. Beim Elektroauto ist die Batterie das teuerste Bauteil, das Herzstück und zugleich das, worüber die meisten Mythen kursieren. Dabei sind die Grundregeln einfach. Wer sie kennt, lädt entspannter, fährt günstiger und hält seinen Akku länger fit. Und wer sie am Beispiel eines Kleinwagens lernt, lernt sie am ehrlichsten: Hier zählt jede Kilowattstunde. Deshalb begleitet uns durch diese Serie der Geely E2, das Auto, mit dem viele zum ersten Mal elektrisch fahren werden.
Kilowattstunde: die Menge
Alles beginnt mit dem Unterschied zwischen Kilowattstunden und Kilowatt. Die Kilowattstunde (kWh) ist die Menge: Sie sagt, wie viel Energie in die Batterie passt, so wie Liter beim Tank. Der Geely E2 hat in den Versionen Max und Ultra eine Batterie mit 47,14 kWh, die Basisversion Pro kommt mit 35,35 kWh. Zum Vergleich: Viele Kompaktwagen liegen bei 50 bis 60 kWh, große SUV bei 100 kWh. Die Zahl allein sagt aber noch nichts über die Reichweite. Dazu braucht es die dritte Zahl, den Verbrauch.

Kilowatt: die Geschwindigkeit
Das Kilowatt (kW) ist die Geschwindigkeit: Es sagt, wie schnell Energie hinein- oder hinausfließt, so wie Liter pro Minute an der Zapfsäule. Lädt der große Akku des E2 an der Wallbox mit 6,6 kW, fließen pro Stunde 6,6 kWh hinein. Von zehn auf hundert Prozent dauert das nach Geely-Angabe 7,1 Stunden, also eine Nacht. Lädt er am Schnelllader mit 80 kW, kommen theoretisch 80 kWh pro Stunde herein, die halbe Batterie also in gut 20 Minuten. Warum das nur theoretisch gilt, erklärt Folge 3.
Auch der Motor wird in Kilowatt angegeben: 85 kW beim E2 Max und Ultra, 60 kW beim Pro. Das ist die Leistung, die hinausfließt. Wer beide Zahlen nebeneinander legt, versteht, warum ein Elektroauto beim Beschleunigen mehr Energie zieht, als jede Ladesäule liefern könnte, und warum es beim Rollen und Bremsen einen Teil davon zurückholt.
Verbrauch: die Rechnung dazwischen
Die dritte Zahl ist der Verbrauch, angegeben in kWh pro 100 Kilometer. Der E2 liegt nach WLTP bei 15,5 bis 15,9 kWh. Daraus ergibt sich die Reichweite: 47 kWh geteilt durch 15,5 kWh mal 100 sind rund 300 Kilometer. Geely nennt 345 Kilometer nach WLTP, weil die Norm einen günstigen Mix aus Stadt und Landstraße unterstellt. Im reinen Stadtverkehr liegt ein Elektroauto sogar deutlich über dem kombinierten WLTP-Wert, weil es beim Bremsen Energie zurückgewinnt.
Im Alltag rechnet man besser mit 80 bis 90 Prozent des WLTP-Werts, im Winter mit 70 Prozent. Das ist kein Mangel, sondern Physik: Heizung, Kälte und Autobahntempo kosten Energie, beim Verbrenner genauso, nur fällt es dort weniger auf, weil der Tank groß und die Tankstelle nah ist.
Die Faustformel für den Alltag
Wer die drei Zahlen kennt, braucht keinen Bordcomputer, um sich zu orientieren: Batteriegröße geteilt durch Verbrauch mal 100 ist die Reichweite. Verbrauch mal Strompreis ist der Preis für 100 Kilometer. Und Batteriegröße geteilt durch Ladeleistung ist die Ladezeit, zumindest an der Wallbox. Alles Weitere in dieser Serie baut auf diesen drei Rechnungen auf.
Zahlen am Beispiel Geely E2
| Pro | Max / Ultra | |
|---|---|---|
| Batterie | 35,35 kWh, LFP | 47,14 kWh, LFP |
| Reichweite WLTP | 252 km | 345 km |
| Verbrauch WLTP | 15,9 kWh/100 km | 15,5 kWh/100 km |
| Motor / Antrieb | 60 kW, Heckantrieb | 85 kW, Heckantrieb |
| AC-Laden max. | 6,6 kW | 6,6 kW |
| AC-Laden 10 bis 100 % | 5,3 h | 7,1 h |
| DC-Laden max. | 60 kW | 80 kW |
| DC 30 bis 80 % | 25 min | 25 min |
| Preis | 19.990 Euro | 23.990 / 26.990 Euro |
Nächste Folge: Reicht ein Kleinwagen? Die Pendler-Rechnung. Wie oft muss ein E2 mit 47 kWh wirklich ans Kabel, und warum die Reichweitenangst nach zwei Wochen verschwindet.