Ein Elektroauto kann auf zwei Arten geladen werden, und beide haben eigene Regeln. Wer sie kennt, weiß, warum das Laden zuhause eine Nacht dauert und unterwegs eine Kaffeepause, und warum die letzten 20 Prozent am Schnelllader fast nie die Zeit wert sind.

AC: Der Wandler sitzt im Auto

Wechselstrom (AC) kommt aus dem Hausnetz, aus der Wallbox und aus den meisten Ladesäulen in Städten. Die Batterie braucht aber Gleichstrom. Also sitzt im Auto ein Wandler, der Onboard-Lader, und der begrenzt die Geschwindigkeit. Viele Autos schaffen 11 kW, manche 22 kW, kleinere Modelle oft 7 kW. Der Geely E2 lädt mit 6,6 kW. Von zehn auf hundert Prozent braucht der große Akku 7,1 Stunden, der kleine 5,3 Stunden.

DC: Der Wandler sitzt in der Säule

Gleichstrom (DC) kommt aus Schnellladesäulen. Hier sitzt der Wandler in der Säule und ist entsprechend groß. Der Strom geht direkt in die Batterie, und die Grenze setzt nun das Auto, genauer sein Batteriemanagement. Der E2 lädt mit bis zu 80 kW (Pro: 60 kW). Das reicht für 30 bis 80 Prozent in 25 Minuten.

Für den Alltag heißt das: AC ist das Laden nebenbei, zuhause, beim Arbeitgeber, im Parkhaus. Langsam, günstig, schonend. DC ist das Laden unterwegs, wenn es schnell gehen muss. Wer zuhause laden kann, braucht den Schnelllader nur auf Reisen. Und das ist bei den meisten Fahrern seltener der Fall, als sie vor dem Kauf glauben.

Geely E2 an der Ladesaeule
Begleitet die Serie: der Geely E2, ein Elektro-Kleinwagen mit LFP-Batterie und bis zu 345 Kilometern WLTP-Reichweite.

Die Ladekurve

Wer zum ersten Mal an einer Schnellladesäule steht, wundert sich: Erst lädt das Auto flott, ab etwa 80 Prozent wird es deutlich langsamer. Das ist die Ladekurve. Eine Batterie nimmt Energie am schnellsten auf, wenn sie halb leer ist. Je voller sie wird, desto vorsichtiger regelt das Batteriemanagement die Leistung herunter, um die Zellen zu schützen. Die letzten 20 Prozent dauern oft so lange wie die 50 davor.

Daraus folgt die wichtigste Faustregel fürs Schnellladen: Bei 10 bis 20 Prozent anstecken, bei 80 Prozent weiterfahren. Wer bis 100 Prozent wartet, verliert Zeit und blockiert die Säule. Zuhause an der Wallbox spielt das keine Rolle, dort hat das Auto die ganze Nacht.

Was die Zahl auf dem Display bedeutet

Noch ein Punkt, der Einsteiger irritiert: 80 kW Spitzenleistung heißt nicht, dass die Säule die ganze Zeit 80 kW liefert. Die Zahl im Display steigt nach dem Anstecken an, hält sich ein paar Minuten am Maximum und sinkt dann stufenweise. Der Durchschnitt über eine Ladung von 20 auf 80 Prozent liegt meist deutlich unter dem Spitzenwert. Deshalb sagt die Ladezeit für 30 bis 80 Prozent mehr über ein Auto aus als die Spitzenleistung. Und deshalb steht sie in unserem Faktenkasten, nicht nur die Maximalzahl.

Ein zweiter Grund für niedrige Zahlen: Kälte. Eine kalte Batterie nimmt weniger Leistung an. Was dagegen hilft, erklärt Folge 5.

Kleines Ladelexikon, Teil 1

  • kWh: Kilowattstunde, die Energiemenge. Der Tankinhalt des Elektroautos.
  • kW: Kilowatt, die Leistung. Wie schnell Energie fließt.
  • AC: Wechselstrom, aus Steckdose, Wallbox und den meisten Stadt-Ladesäulen. Der Wandler sitzt im Auto.
  • DC: Gleichstrom, aus Schnellladesäulen. Der Wandler sitzt in der Säule.
  • Onboard-Lader: Der AC-Wandler im Auto, je nach Modell 7, 11 oder 22 kW.
  • Typ 2: Der europäische AC-Stecker.
  • CCS: Combined Charging System, der europäische DC-Stecker. Sitzt am selben Anschluss wie Typ 2, nur mit zwei zusätzlichen Kontakten.
  • SoC: State of Charge, der Ladestand in Prozent.
  • Ladekurve: Der Verlauf der Ladeleistung über den Ladestand. Fällt ab etwa 80 Prozent stark ab.
  • BMS: Batteriemanagementsystem, die Elektronik, die Laden, Temperatur und Zellbalance steuert.
  • Schieflast: Grenze von 4,6 kW für einphasiges Laden in Deutschland, damit das Netz gleichmäßig belastet wird.

Nächste Folge: Zuhause laden. Wallbox, Anmeldung beim Netzbetreiber, Paragraf 14a, Mieterrechte, und was 100 Kilometer an der eigenen Steckdose wirklich kosten.