Zero Motorcycles hat zur EICMA in Mailand zwei Fahrzeuge mitgebracht, die zeigen, wohin der kalifornische Elektro-Pionier will: den Elektroroller LS3 für den Alltag und mit dem Project Ventura eine Supermoto, die vor allem Spaß machen soll. Beide fahren in der Einsteigerliga, beide zielen auf Leute, die bisher eher nicht an eine Zero gedacht haben. Und beide dürften nicht zufällig in einem Jahr kommen, in dem die europäische Konkurrenz Druck macht.
Project Ventura: Spaß für unter 8.000 Euro
Zero beschreibt das Project Ventura als völlig neues, leichtes A1-Straßenmotorrad mit 17-Zoll-Rädern und Platz für Fahrer und Sozius. Die Spitzenleistung liegt bei über 20 kW (27 PS), die Höchstgeschwindigkeit bei rund 130 km/h, die Dauergeschwindigkeit bei 105 km/h. Die geschätzte Reichweite beträgt 150 km im realen Fahrbetrieb. Fahren darf man sie mit A1 ab 16 Jahren oder mit B196. Verfügbar sein soll sie voraussichtlich im Sommer 2027, der Preis soll beim Serienmodell unter 8.000 Euro liegen.
Geladen wird über einen Level-2-Stecker, das Ladegerät ist integriert. ABS ist an Bord, dazu kommt Connectivity mit App. Bei Ladedauer und Batteriekapazität hält sich Zero zurück: Beides werde zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben. Auch zu Dauer-Nennleistung und Gewicht liegen keine Angaben vor. Gerade das Gewicht wäre bei einer Supermoto die spannendste Zahl, denn „leicht“ ist ein Versprechen, das sich erst auf der Waage einlöst.

Der Gegner heißt Stark
Der Blick fällt unweigerlich auf Stark Future aus Europa. Die ähnlich konzipierte Stark Varg SM hat bis zu 80 Elektro-PS, kostet aber 12.990 Euro. Die Ventura spielt leistungsmäßig in einer anderen Liga und unterbietet den Preis der Varg SM um gut 5.000 Euro. Das ist kein direkter Vergleich auf Augenhöhe, aber ein kluger Schachzug: Zero erschließt sich damit eine Kundschaft, die der Hersteller bisher kaum adressiert hat.
Noch ist die Ventura ein Prototyp mit vielen offenen Feldern. Ob sie im Sommer 2027 tatsächlich zu diesem Preis in den Handel kommt, muss sich zeigen. Die Eckdaten sind aber ehrgeizig und praxisnah.

LS3: Der Roller wird erwachsen
Der LS3 baut auf dem A1-Roller LS1 auf, bietet aber mehr Leistung, weniger Gewicht, größere Reichweite und vernetzte Technik. Basis ist ein Stahlrohrrahmen mit verschraubter Kunststoff-Karosserie. Vorn arbeitet eine Telegabel mit 14-Zoll-Rad (110/80-14) und 109 mm Federweg, hinten sitzen zwei in der Vorspannung einstellbare Stoßdämpfer mit 105 mm Federweg und ein 13-Zoll-Rad (130/60-13).
Der Motor leistet 11 kW Dauerleistung und 12,7 kW in der Spitze, das maximale Motordrehmoment beträgt 65,6 Nm, am Hinterrad sollen 310 Nm anliegen. Ein carbonfaserverstärkter Zahnriemen überträgt die Kraft, was Wartung spart: Kettenschmieren entfällt. Es gibt drei Fahrmodi (Eco, Standard, Sport). Trotz des Leistungsplus bleibt der LS3 bei der Dauerleistung innerhalb der Grenze für A1 und B196.

Drei Akkus, ein Roller
Technisch am interessantesten ist das Batteriekonzept. Drei serienmäßige, herausnehmbare Lithium-Ionen-Akkus speichern je 1,86 kWh, zusammen 5,6 kWh. Zwei sitzen im Trittbrettbereich, einer unter der Sitzbank. Zero nennt 120 km/h Höchst- und 100 km/h Dauergeschwindigkeit, im Stadtverkehr sollen bis zu 148 km drin sein. Das ist ein Stadtwert, auf der Landstraße wird es weniger.
Geladen wird per Typ-2-Anschluss an kompatiblen öffentlichen Stationen, von 20 auf 80 Prozent in etwa 2 Stunden und 47 Minuten. Alternativ nimmt man die Akkus heraus und lädt sie mit einem externen Ladegerät an der Haushaltssteckdose. Wer Stauraum braucht, kann den dritten Akku unter der Sitzbank entnehmen und verliert dadurch Reichweite. Das ist ein ehrlicher Tausch.
Ausstattung, Preis, Alltag

Zweikanal-ABS, Traktionskontrolle und Hill-Hold-Funktion sind serienmäßig. Heizgriffe, Sitzheizung und ein mittelhoher Windschild gehören ebenfalls dazu, dazu LED-Beleuchtung, ein 5-Zoll-TFT-Farbdisplay und zwei USB-C-Anschlüsse. Mobilfunk und Bluetooth sind integriert, die Zero-App und weitere vernetzte Funktionen sollen künftig folgen. Kameras vorn und hinten zeichnen auf, sofern eine microSD-Karte steckt, die nicht im Lieferumfang ist.
Ab Werk gibt es einen Gepäckträger mit SHAD-SH34-Topcase, einen Gepäckhaken und Haltegriffe für den Beifahrer, das flache Trittbrett erlaubt einen freien Durchstieg. Lenkerstulpen, Rollerdecke und höherer Windschild kosten extra. Der Listenpreis liegt bei 6.810 Euro UVP. Für einen Roller mit Sitzheizung, Dashcam-Funktion und 5,6 kWh ist das eine Ansage.
Unterm Strich zeigt Zero in Mailand zwei Fahrzeuge, die zusammenpassen: einen ausgestatteten Alltagsroller für 2027 mit festem Listenpreis, und eine Supermoto, die man erst noch beim Wort nehmen muss. Wenn die Ventura hält, was der Preis verspricht, hat Zero zum Jubiläum die richtige Antwort auf Stark gefunden.
