Es gibt Autos, die kommen still und leise. Und es gibt Autos, die kommen mit einem Preisschild, das die Konkurrenz aufweckt. Der Škoda Epiq gehört zur zweiten Kategorie. Ab 25.900 Euro kostet das neue Elektro-Crossover aus Mladá Boleslav in seiner Basisvariante Essence 35 — ein Betrag, der das B-Segment-Modell auf Augenhöhe mit dem hauseigenen Kamiq bringt, dem bewährten Verbrenner-Bruder. Genau dort, wo die Elektromobilität bisher noch fast überall gescheitert ist, nämlich im Portemonnaie des normalen Autokäufers, will der Epiq eine Bresche schlagen. Ob das gelingt, hängt natürlich nicht nur vom Preis ab.
Das Triple ist komplett
Man muss den Epiq im richtigen Kontext lesen: Raval, ID. Polo, Epiq. Drei Modelle, eine Plattform, drei Charaktere. Der Volkswagen-Konzern hat das B-Segment mit elektrischem Antrieb aus einem Guss entwickelt, und während CUPRA mit dem Raval auf junge Lifestyle-Käufer zielt und VW mit dem ID. Polo das Vernünftige bedient, spielt Škoda den Karte, die die Tschechen am besten kennen: Raum, Vernunft, Wert. Drei Autos, ein Stamm, drei völlig verschiedene Gesichter. Das ist Konzerndenken, wie es sein soll, und der VW-Konzern kann diesen Schub in einem Segment, das lange stiefmütterlich behandelt wurde, gerade gut gebrauchen.

Technisch ist der Epiq das erste Škoda-Modell auf der neuen MEB+-Plattform, und die erste Škoda-Variante davon kommt mit Frontantrieb. Das ist eine Abkehr vom bisherigen Muster: Enyaq und Elroq setzen auf Heckantrieb. Der Frontantrieb erlaubt kompaktere, leichtere Batterien, was wiederum den Energieverbrauch senkt und Platz im Innenraum freischaufelt. Drei Leistungsvarianten stehen zur Wahl: der Epiq 35 mit 85 kW (115 PS), der Epiq 40 mit 99 kW (135 PS), beide mit der 38,5-kWh-LFP-Batterie und bis zu 310 km Reichweite, sowie das Topmodell Epiq 55 mit 155 kW (211 PS), NMC-Akku mit 55 kWh brutto und bis zu 440 km Reichweite. Alle Varianten nutzen einen APP 290 Permanentmagnet-Synchronmotor, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h.
Beim Laden macht der Epiq einen ernsthaften Sprung über das, was man in dieser Preisklasse erwarten würde. Die stärkere Variante Epiq 55 lädt per DC von 10 auf 80 % in 24 Minuten, der Epiq 40 schafft es in 23 Minuten. AC-seitig sind 11 kW serienmäßig dabei. Dazu kommt bidirektionales Laden: V2L, V2H und V2G sind alle an Bord, wobei für V2H und V2G eine zertifizierte bidirektionale DC-Wallbox nötig ist. Aktuell ist die BiDi Charger 11 DC von Moon Power für den Epiq freigegeben. Wer seinen Haushalt mit dem Akku puffern oder beim Campen das E-Bike aufladen will, kann das jetzt auch im Kleinwagensegment tun.

Aerodynamik als stilles Argument
Das Exterieur des Epiq ist das erste Škoda-Serienmodell, das die neue Designsprache „Modern Solid“ vollständig umsetzt. Was bedeutet das? Klare Linien, minimalistisches Gesicht, kein überflüssiges Chrom. Am auffälligsten ist die neue T-förmige Lichtsignatur, die sich sowohl an Front als auch Heck durchzieht und künftig alle neuen Škoda-SUVs prägen wird. Das glänzend schwarze Tech-Deck-Face verbindet die schlanken Scheinwerfer optisch zu einer Einheit, die das Fahrzeug breiter und geerdet wirken lässt. Nichts daran ist zufällig: Gleichzeitig ist der cw-Wert von 0,275 das Ergebnis peniblen Ingenieurdenkens. Aktive Kühlklappen, Air Curtains, aerodynamische Radkappen, ein optimierter Unterboden und ein Heckdiffusor mit Spoilerelement sorgen gemeinsam dafür, dass die Luft das Auto so widerstandsarm wie möglich umfließt. Bei einem Elektroauto mit kompakter Karosserie ist das kein Nice-to-have, sondern direkt reichweitenrelevant.
Die Maße: 4.171 mm lang, 1.798 mm breit, 1.581 mm hoch, Radstand 2.601 mm. Das ist kompakter als ein Golf, aber größer als ein Polo. Sechs Karosseriefarben stehen zur Wahl, von Timiano-Grün über Jasper-Rot Metallic bis Mystery-Schwarz Perleffekt. Räder zwischen 17 und 19 Zoll gibt es serienmäßig, die limitierte First Edition rollt auf exklusiven 20-Zöllern. Optional ist ein Panoramadach mit elektrischer Sonnenblende erhältlich.

Innen: wo Škoda seine Trümpfe ausspielt
Der 475-Liter-Kofferraum ist die Zahl, die Škoda bei jeder Gelegenheit mit Recht nach vorne schiebt. In der Klasse der kompakten Elektro-Crossover ist das schlicht einer der größten Gepäckräume überhaupt. Hinzu kommt der sogenannte Frunk unter der Motorhaube mit 25 Litern Volumen — der allerdings erst zu einem späteren Produktionszeitpunkt verfügbar sein wird. In den Türen, der Mittelkonsole und dem Handschuhfach summiert sich der Stauraum auf über 28 Liter. Damit der Alltagstest bestanden wird, braucht es solche Zahlen.

Das Interieur folgt dem „Modern Solid“-Prinzip: minimalistisch, klar gegliedert, ohne Spielerei um der Spielerei willen. Das 13-Zoll-Zentraldisplay läuft auf Android-Basis und kommt mit einem rasterbasiertem App-Layout, globalem Suchfeld und integriertem Google Places-Zugang. Über den Connect Store lassen sich mehr als 150 Drittanbieter-Apps installieren, Spotify und YouTube inklusive. Die Sprachassistentin Laura hat jetzt KI-Unterstützung und kann nicht nur Fragen zur Fahrroute beantworten, sondern auch auf persönliche Fahrdaten eingehen, Ladepläne einrichten und direkt zu Fahrzeugfunktionen führen. Der digitale Fahrzeugschlüssel per iPhone oder Android ist ebenfalls an Bord und lässt sich via UWB, Bluetooth oder NFC nutzen.
Simply Clever bleibt Simply Clever: Regenschirm in der Fahrertür, Eiskratzer in der Heckklappe, Taschenhaken im Kofferraum, Ablagetaschen an der Rückseite der Vordersitze. Wer das albern findet, hat noch nie im Winter einen Eiskratzer gesucht. Alle Sitzstoffe sind aus 100 % recycelten Polyesterfasern gefertigt, und der Epiq ist das erste Škoda-Serienmodell ganz ohne Lederpolsterung — stattdessen kommt die Lederalternative Techtona zum Einsatz. Mehr als 34 Kilogramm recycelte Materialien stecken insgesamt im Fahrzeug.
Das Soundsystem kann optional mit Cantons 10-Lautsprecher-Setup mit 425 W Gesamtleistung und eigenem Subwoofer im Kofferraum ausgestattet werden — auch das eine Premiere in dieser Fahrzeugklasse für Škoda. Der Camping-Modus, über die MyŠkoda App aktiviert, hält das Innenraumklima bis zu zehn Stunden lang auf Temperatur und eignet sich damit für Übernachtungen im Fahrzeug.

Assistenzsysteme aus dem Segment darüber
Was den Epiq von manchem Konkurrenten dieser Preisklasse unterscheidet, ist die Dichte der serienmäßigen Assistenzsysteme. Front Assist mit Fußgänger- und Radfahrererkennung sowie City-Notbremsfunktion ist ab Werk dabei, ebenso Side Assist inklusive Rear Traffic Alert und Ausstiegswarnung, Lane Assist und eine Verkehrszeichenerkennung, die Online-Schwarmdaten nutzt. Sieben Airbags sind serienmäßig verbaut, darunter ein zentraler Airbag zwischen Fahrer und Beifahrer.

Wer das Travel-Paket wählt, bekommt Travel Assist 3.0 — das fortschrittlichste Fahrerassistenzsystem, das Škoda derzeit anbietet. Es nutzt Echtzeit-Schwarmdaten anderer Fahrzeuge, kann auf temporäre Verkehrszeichen reagieren, die Geschwindigkeit entsprechend anpassen und dabei proaktiv rekuperieren. An Ampeln kann das System das Fahrzeug zum Stillstand bringen. Das Premium-Paket ergänzt das Ganze um einen intelligenten Parkassistenten mit Fernbedienung per Smartphone und ein 360-Grad-Kamerasystem mit transparenter 3D-Darstellung der Karosserie. Für enge Parklücken und enges Manövrieren ist das kaum zu unterschätzen.
One Pedal Driving funktioniert im B-Modus vollwertig: Fuß vom Pedal, Epiq bremst gleichmäßig bis zum Stillstand und speist dabei Energie zurück. Die Rekuperationsintensität lässt sich anpassen. Im Stadtverkehr, im Stop-and-go oder auf langen Gefällstrecken ist das keine Spielerei, sondern ein handfester Effizienzgewinn.
First Edition: Orange als Statement

Die limitierte First Edition ist bereits bestellbar, die Produktion soll in Kürze anlaufen. Sie basiert auf der Ausstattungsvariante Selection und setzt technisch auf die Epiq-55-Mechanik mit 155 kW (211 PS), 290 Nm Drehmoment und bis zu 430 km Reichweite. Optisch setzt sie auf Orange als Kontrastfarbe: Außenspiegelgehäuse, Zierleisten, Radkappen-Details und die Einfassungen der Stoßfängeröffnungen sind in diesem Ton gehalten. Dazu kommen ein schwarzes Dach in Zweifarblackierung, 20-Zoll-Leichtmetallräder und ein First Edition-Emblem an der Heckklappe.
Im Innenraum setzt sich das Thema fort: orangefarbene Nähte an Lenkrad, Sitzen und Armaturenbrett, dazu orangefarbene Sicherheitsgurte als wohl auffälligster Akzent. Wer beim Einsteigen einen kurzen Moment innehalten möchte, wird das hier tun. Komfort- und Technik-Paket sind serienmäßig inklusive, Travel- und Licht-&-Sicht-Paket kommen als Sonderausstattung dazu.

25.900 Euro und was dahintersteckt
Der Einstiegspreis von 25.900 Euro für den Epiq Essence 35 ist mehr als nur eine Zahl. Er ist das Argument, mit dem Škoda in ein Segment vorstößt, das für Elektroautos lange als unerschwinglich galt. Dass der Basispreis dabei auf Augenhöhe mit dem Verbrenner-Kamiq liegt, ist kein Zufall, sondern Strategie: Wer heute noch zögert, soll nicht mehr mit dem Preisunterschied argumentieren können. Ab Oktober 2026 wird die Basisvariante bestellbar sein.
Was man für diesen Preis bekommt: eine MEB+-Plattform mit 310 km Reichweite, Frontantrieb, serienmäßige Fahrerassistenz auf höherem Niveau, einen der größten Kofferräume im Segment und ein Infotainmentsystem, das sich nicht hinter Premiumkonkurrenz verstecken muss. Was fehlt: vorerst der Frunk, der erst später nachrüstbar wird, und Preisangaben für die Selection- und 55er-Varianten sind aus den vorliegenden Unterlagen nicht ableitbar. Der Epiq ist mit dem Peaq ohnehin nur der erste Schritt: Zusammen verdoppeln beide Modelle Škodas vollelektrische Modellpalette. Der Zug fährt ab.
Häufige Fragen
Wann kann man den Škoda Epiq bestellen?
Die Basisvariante Škoda Epiq Essence 35 ist ab Oktober 2026 bestellbar. Die limitierte First Edition ist bereits jetzt bestellbar, die Produktion beginnt in Kürze.
Was kostet der Škoda Epiq?
Der Einstiegspreis für den Škoda Epiq beträgt in Deutschland 25.900 Euro. Dieses Einstiegsmodell trägt die Bezeichnung Epiq Essence 35.
Wie weit kommt der Škoda Epiq mit einer Ladung?
Je nach Variante bietet der Škoda Epiq eine Reichweite von bis zu 310 km (Epiq 35 und 40) oder bis zu 440 km (Epiq 55). Alle Werte basieren auf WLTP-Schätzungen.
Welche Batterie und Motorisierungen gibt es beim Epiq?
Der Epiq kommt mit zwei Akkugrößen (38,5 kWh LFP und 55 kWh NMC) und drei Leistungsstufen: 85 kW (115 PS), 99 kW (135 PS) und 155 kW (211 PS) — alle mit Frontantrieb.
Unterstützt der Epiq bidirektionales Laden?
Ja, der Škoda Epiq unterstützt V2L, V2H und V2G. Für V2H und V2G ist eine kompatible bidirektionale DC-Wallbox erforderlich; aktuell ist die Moon Power BiDi Charger 11 DC zertifiziert.
Auf welcher Plattform basiert der Škoda Epiq?
Der Epiq basiert auf der MEB+-Elektroplattform der neuen Generation und ist das erste Škoda-Modell auf dieser Plattform. Er teilt die Basis mit VW ID. Polo, VW ID. Cross und CUPRA Raval.
