Wer ein Elektroauto öffentlich lädt, braucht Geduld mit den Preislisten. Seit unserer letzten Prüfung im Juni haben mehrere große Anbieter ihre Tarife geändert, und nicht jede Änderung erschließt sich auf den ersten Blick. Wir haben die Tarife unseres Vergleichs mit den Preisseiten der Anbieter abgeglichen. Das Wichtigste im Überblick.

Ionity: 2 Cent mehr – und ein Jahresabo mit Haken

Ionity verlangt bei Neuabschlüssen jetzt 2 Cent mehr pro Kilowattstunde. IONITY Power kostet ab 0,41 Euro plus 11,99 Euro im Monat, IONITY Motion ab 0,51 Euro plus 5,99 Euro. Wer ohne Abo direkt an der Säule bezahlt, ist mit 0,72 Euro dabei, mit der IONITY App ohne Abo mit 0,68 Euro. Bestandskunden mit Power-Abo zahlen in der App weiterhin 0,39 Euro.

Kurios ist das neue Jahresabo. IONITY Power 365 kostet einmalig 119,99 Euro, knapp 24 Euro weniger als zwölf Monatsgebühren. Dafür ist die Kilowattstunde mit 0,42 Euro einen Cent teurer als im Monatsabo. Rechnerisch lohnt sich das Jahresabo also nur für alle, die weniger als rund 2.400 Kilowattstunden im Jahr bei Ionity laden, das sind grob 12.000 Autobahnkilometer. Allerdings ist der Monatspreis ein Mindestpreis, der an einzelnen Säulen höher liegen kann, während das Jahresabo einen festen Preis ohne Spitzenzuschläge verspricht. Bei IONITY Motion 365 (59,99 Euro im Jahr, 0,53 Euro pro Kilowattstunde) gilt dasselbe Muster.

Günstiger: Aral pulse und Shell

Im Aral-pulse-Tarif Klassik kostet die Kilowattstunde jetzt 0,47 Euro an AC-Säulen, 0,52 Euro an DC-Säulen bis 50 kW und 0,62 Euro am Schnelllader, jeweils 7 Cent weniger als bei unserer letzten Prüfung. Beim Shell Recharge e-Deal (5,99 Euro im Monat) liegt der AC-Preis an Shell-Säulen jetzt bei 0,39 Euro statt 0,49 Euro, an DC-Säulen zahlt man je nach Standort 0,39 bis 0,47 Euro. Neu ist dort eine Blockiergebühr von 15 Cent pro Minute nach einer Stunde.

Teurer: Fastned und Allego

Fastned Gold kostet am Schnelllader jetzt 0,49 statt 0,48 Euro, die Monatsgebühr ist bis Ende September auf 5,99 Euro reduziert. Bei Allego steigen in den Tarifen Plus und Smart die Preise an DC-Säulen bis 50 kW auf 0,44 und 0,59 Euro, am Schnelllader bleibt es beim bisherigen Preis.

Zwei Preise für dieselbe Säule

Vattenfall InCharge verlangt am Schnelllader grundsätzlich 0,49 Euro, an weniger ausgelasteten Standorten aber nur 0,44 Euro. Welcher Preis gilt, zeigen erst App oder Säule. EnBW senkt im Rahmen einer Aktion bis zum 30. September alle Tarife um 5 Cent, danach gelten wieder 0,56, 0,46 und 0,39 Euro. Bei Tesla ändert sich der Preis ohnehin mit der Tageszeit.

In unserem Vergleich steht deshalb immer der Preis, den man am wahrscheinlichsten zahlt: der Standardpreis oder der obere Wert einer Spanne. Sonderpreise und Aktionen nennen wir im Hinweis zum jeweiligen Tarif. Tesla bewerten wir nicht mehr, weil sich dort kein verbindlicher Preis angeben lässt.

Was das für Einsteiger heißt

Mindestpreise, Tageszeitpreise, Standortpreise, Aktionen und Bestandskundenpreise laufen inzwischen nebeneinander her. Die Preislisten der Anbieter sind damit unübersichtlicher denn je. Verbindlich ist immer der Preis, den App oder Säule vor dem Ladestart anzeigen. Alle Tarife samt Rechner für die eigenen Jahreskosten stehen in unserem Ladetarif-Vergleich. Wir prüfen die Preise ab jetzt jede Woche.