Eine Sicherheitskamera, die still bleibt, wenn jemand an der Tür klingelt: Das ist kein konstruiertes Worst-Case-Szenario, sondern das, was Nutzern der Homematic IP Video-Türklingel und Akku-Außenkamera droht, wenn sie das aktuelle Firmware-Update verpassen. Hersteller eQ-3 hat am 18. September 2026 eine dringende Mitteilung veröffentlicht, die es in sich hat. Der Grund ist technischer Natur, die Konsequenz aber handfest: Wer nicht handelt, verliert ab dem 22. September einen erheblichen Teil der Gerätefunktionalität.

Ein Zertifikat läuft ab — und das ist kein Randproblem

Im Hintergrund moderner Cloud-vernetzter Geräte läuft Infrastruktur, die Nutzer selten zu Gesicht bekommen: kryptografische Zertifikate, die die Kommunikation zwischen Kamera und Cloud absichern. Ab dem 20. September 2026 aktualisiert Homematic IP seine Cloud-Sicherheitszertifikatskette. Das auf den Geräten selbst hinterlegte Gegenstück muss dabei mitziehen — und genau das ist das Problem: Das geräteseitige Zertifikat lässt sich ausschließlich über ein Firmware-Update erneuern.

Das ist keine Besonderheit von eQ-3. IoT-Geräte sind auf diese Art von Zertifikat-Rotation grundsätzlich angewiesen, weil ihre eingebettete Software direkt auf der Hardware läuft und nicht einfach wie eine App im Hintergrund aktualisiert werden kann. Der Unterschied liegt darin, wie Hersteller damit umgehen: transparent und rechtzeitig kommuniziert, oder schweigend, bis Geräte stillstehen.

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Betroffen sind konkret die Video-Türklingel HmIP-CODB und HmIP-CODB-A sowie die Akku-Außenkamera HmIP-COR. Beide Geräte gehören zur neu vorgestellten ersten eigenentwickelten Kamerafamilie von eQ-3, die auf der Light + Building 2026 im März präsentiert und ab Sommer 2026 verkauft wird. Die Video-Türklingel ist seit Anfang Juni erhältlich, die Akku-Außenkamera ebenfalls ab dem 1. Juni 2026 im Handel.

Was konkret passiert, wenn das Update ausbleibt

Wer das Firmware-Update nicht rechtzeitig installiert, muss nach der Umstellung der Zertifikatskette mit spürbaren Einschränkungen rechnen. Bewegungsereignisse werden nicht mehr an die Homematic IP App übertragen, Klingelereignisse kommen nicht mehr auf dem Smartphone an, Push-Benachrichtigungen fallen aus. Kurz: Die Kamera überwacht zwar weiterhin physisch ihren Bereich, teilt das aber niemandem mehr mit.

Für eine Video-Türklingel, deren Kernversprechen gerade das sofortige Benachrichtigen beim Klingeln ist, entspricht das einem Totalausfall der wesentlichen Funktion. Die Kamera wird zur stummen Box an der Wand.

Die erforderlichen Mindest-Firmware-Versionen hat eQ-3 klar benannt: Für die Video-Türklingel (HmIP-CODB / HmIP-CODB-A) ist Version 3.5.11.20260910 erforderlich, für die Akku-Außenkamera (HmIP-COR) Version 6.2.7.20260819. Beide Updates stehen in der Homematic IP App bereit.

Homematic IP Video-Türklingel (HmIP-CODB / HmIP-CODB-A)

So läuft das Update ab — und worauf zu achten ist

Das Update lässt sich über die Homematic IP App anstoßen: Menü öffnen, unter „Mehr“ den Punkt „Geräteupdates“ aufrufen, verfügbare Updates prüfen, Installation starten. Das klingt unkompliziert, hat aber eine wichtige Voraussetzung: Bei den betroffenen Kameras muss der Akku zu mindestens 80 Prozent geladen sein. Die App zeigt an, ob diese Voraussetzung erfüllt ist.

Das ist kein bürokratisches Detail. Ein unterbrochenes Firmware-Update kann ein Gerät im schlimmsten Fall unbenutzbar machen. Wer also seine Außenkamera oder Türklingel seit Wochen nicht aufgeladen hat, sollte das vor dem Update-Start nachholen. Gerade bei der akkubetriebenen Außenkamera, die laut Hersteller eine Standby-Zeit von mehreren Monaten erreicht, kann der Ladestand im Alltag schnell in Vergessenheit geraten.

Vorbildliche Kommunikation — und ein Maßstab für die Branche

Dass eQ-3 dieses Update überhaupt öffentlich ankündigt, rechtzeitig, mit konkreten Versionsnummern, klarer Deadline und einer Schritt-für-Schritt-Anleitung, ist alles andere als selbstverständlich. Es verdient Anerkennung — und zwar nicht als freundliche Geste, sondern als das, was man von einem Hersteller, der Sicherheitstechnik verkauft, schlicht erwarten darf.

Der Vergleich mit dem Markt ist ernüchternd. Viele IoT-Kameras, vor allem günstigere Importware aus Fernost, erhalten nach dem Verkauf kaum noch Firmware-Updates. Sie funktionieren im Alltag tadellos — bis ein Zertifikat abläuft, eine Cloud-Schnittstelle geändert wird oder eine Sicherheitslücke auftaucht, die niemand mehr schließt. Dann stehen Nutzer vor der Wahl zwischen einem Gerät mit bekannter Schwachstelle und der Neuanschaffung. Dass eQ-3 mit Homematic IP einen anderen Weg geht und sich auch nach dem Verkauf explizit um die Sicherheit der Komponenten kümmert, ist genau die Art von Nachsorge, die Security-bewusste Käufer beim Hersteller-Vergleich einkalkulieren sollten.

Der EU Cyber Resilience Act, der schrittweise bis Dezember 2027 in Kraft tritt, wird Hersteller künftig zu langfristigen Sicherheitsupdates verpflichten. Homematic IP zeigt schon jetzt, wie das in der Praxis aussehen kann.

Kontext: Die neue Kamerafamilie und das wachsende Sicherheits-Ökosystem

Die betroffenen Geräte sind Teil eines größeren Umbaus bei Homematic IP. Rund 15 Jahre lang konzentrierte sich das System aus Lenzburg auf Heizung, Rollläden und Steckdosen — Kameraanbindung lief über Partner wie EZVIZ. Mit einer sechsteiligen eigenen Kamerafamilie, präsentiert auf der Light + Building 2026, ändert eQ-3 das grundlegend: zwei Innenkameras, zwei Außenkameras, eine Außenlichtkamera und zwei Video-Türklingeln kommen als erste eigenentwickelte Sicherheitshardware auf den Markt.

Parallel dazu hat Homematic IP im Juli 2026 ein neues Alarmsystem per App-Update freigeschaltet, das Kamera-Livefeeds, Ereignisprotokolle und Alarmmodi in einer zentralen Übersicht bündelt. Die Kamera-Daten fließen direkt in dieses Dashboard ein. Die Video-Türklingel bietet dabei 3-Megapixel-Video, KI-gestützte Personenerkennung und wahlweise Akkubetrieb mit bis zu sechs Monaten Laufzeit oder Betrieb über vorhandene Klingelverdrahtung. Aufnahmen können lokal auf einer microSD-Karte gespeichert werden.

Wer dieses Ökosystem nutzt, sollte jetzt die Homematic IP App öffnen. Das Update ist bereit, die Frist ist knapp.