Gira schickt zwei seiner zentralen Smart-Home-Plattformen gleichzeitig in eine neue Ausbaustufe. Das Radevormwalder Unternehmen hat für Gira One und den Gira X1 eine Reihe von Erweiterungen veröffentlicht, die sowohl in die Breite gehen — mehr kompatible Komponenten, mehr Integrationsmöglichkeiten — als auch in die Tiefe: Bedienung, Visualisierung und Projektierung werden an mehreren Stellen konsequent überarbeitet. Die Updates sind ab sofort verfügbar, richten sich aber nur vordergründig an Endanwender. Der eigentliche Adressat ist das Fachhandwerk, das Smart-Home- und Smartbuilding-Projekte plant und umsetzt.
Gira One wächst in die Breite
Gira One ist Giras bus-basiertes Smart-Home-System für das mittlere Projektsegment, das ohne den Aufwand einer vollständigen KNX-Installation auskommt. Mit dem aktuellen Update bekommt das System drei neue Komponenten, die den Einsatzbereich spürbar ausweiten.
Der Tastsensor 4.70 Komfort aus dem neuen Gira System 70 ergänzt die Bedienebene: Mit ihm lassen sich bis zu acht Funktionen auf einer einzigen Einheit konfigurieren — Licht, Jalousien, Szenen, Temperatur. Das ist kein revolutionärer Sprung, aber eine sinnvolle Verdichtung für Räume, in denen ein einzelner Schalterplatz möglichst viel leisten soll. Ebenfalls neu im Portfolio ist die Gira Wetterzentrale, deren Messdaten sich direkt für die automatische Steuerung von Jalousien, Markisen und Beleuchtung nutzen lassen. Regnet es, schließt die Markise. Die Sonne steht tief, die Jalousien fahren auf einen definierten Winkel. Das sind Automatisierungen, die sich auf dem Papier simpel lesen, in der Praxis aber für den Unterschied zwischen einem System, das mitdenkt, und einem, das wartet, stehen. Die Wetterdaten werden sowohl in der Smart Home App als auch auf dem Gira G1 visualisiert.
Die dritte neue Komponente ist der DALI Aktor Colour 4fach. Er integriert DALI-2-Beleuchtungssysteme und DALI-2-Sensoren in Gira One und ermöglicht damit flackerfreies Dimmen sowie eine präzise Steuerung von Farbtemperatur und Lichtfarbe. DALI-2 ist der aktuelle Standard für digitale Lichtsteuerung in der Gebäudetechnik — er erlaubt eine direkte Gerätekommunikation, Rückmeldungen vom Leuchtmittel und eine feingranulare Adressierung einzelner Leuchten. Wer in einem Wohnprojekt oder Gewerbeobjekt professionelle Lichtszenen umsetzen möchte, kommt an DALI-2 kaum vorbei. Dass Gira One diesen Standard jetzt vollständig unterstützt, schließt eine Lücke, die bisher ein Argument für aufwändigere Systemlösungen war.

Gira X1 bekommt Kameras und mehr Übersicht
Der Gira X1 ist Giras KNX-Server für anspruchsvollere Installationen — komplexere Logiken, mehr Datenpunkte, mehr Nutzer. Das Update setzt hier vor allem bei Visualisierung und Integration an.
Besonders praktisch für große Anlagen: die neue Multi-Statusanzeige in der Smart Home App. Sie fasst bis zu 20 Status-, Sensor- und Verbrauchswerte in einer einzigen Visualisierungskachel zusammen. Wer bisher für Energieverbrauch, Raumtemperaturen, Fensterstatus und Jalousieposition mehrere Ansichten durchblättern musste, findet jetzt alles auf einen Blick. Das klingt nach einem Detail, ist aber für die tägliche Nutzung einer komplexen Anlage ein echter Komfortgewinn — besonders in Gebäuden mit vielen Zonen oder Wohneinheiten.

Dazu kommt ein zentrales Template für Wetterstationen, das die relevanten Meteodaten bündelt und die Projektierung vereinfacht. Statt für jede Installation individuell zusammenzubauen, was die Wetterstation liefert, greift der Systemintegrator auf eine fertige Vorlage zurück. Weniger Aufwand, weniger Fehlerquellen, schnellere Inbetriebnahme.
Die wohl technisch bedeutsamste Neuerung beim Gira X1 ist die Einbindung von IP-Kameras über RTSP-Streams und ONVIF. RTSP ist das verbreitete Protokoll für den Echtzeit-Videostream, ONVIF der offene Standard für die Interoperabilität von Netzwerk-Videotechnik. Gemeinsam erlauben sie die Integration von Kameras verschiedener Hersteller in die Gira-Visualisierung — ohne proprietäre Zwischenlösungen. In einer Anlage, in der Türkommunikation, Zugangskontrolle und Überwachung zusammenspielen sollen, ist das eine substanzielle Erweiterung. Die Kamerabilder lassen sich direkt in der Smart Home App und auf dem Gira G1 aufrufen.
Ebenfalls neu: Unterstützung für relative Sollwertverstellung in der Heizungssteuerung. Das bedeutet, Nutzer können die Raumtemperatur nicht nur auf einen festen Wert setzen, sondern relativ zum aktuellen Sollwert erhöhen oder senken — ein gradlinigeres, intuitiveres Bedienkonzept, das sich besonders bei Gästen oder wechselnden Nutzungszeiten bewährt. Dazu verarbeitet der Gira X1 jetzt auch 3- und 6-Byte-Kombidatenpunkte, was die Parametrierung vereinfacht und die Bedienung der Farbsteuerung in App und auf dem G1 flüssiger macht.
Projektarbeit mit weniger Reibung

Ein Update, das ausschließlich auf Endanwender zielt, wäre bei Gira nur die halbe Arbeit. Das Unternehmen bedient ein Ökosystem aus Elektrofachbetrieben, Planern und Systemintegratoren, die mit dem Gira Projekt Assistenten (GPA) Anlagen konfigurieren. Hier gibt es ebenfalls Verbesserungen, die den Alltag der Fachleute erleichtern.
Datenpunkte lassen sich im GPA jetzt per Drag & Drop schneller zuweisen — ein Eingriff, der bei großen Projekten mit Hunderten von Datenpunkten Stunden spart. Logiken können kopiert, wiederverwendet und direkt im Editor kommentiert werden. Das letzte Detail ist bemerkenswert: Kommentare im Editor bedeuten, dass mehrere Personen an einem Projekt arbeiten können, ohne sich ausschließlich auf mündliche Absprachen verlassen zu müssen. Dokumentation und spätere Weiterbearbeitung werden damit systematischer. In einer Branche, in der Projekte oft Monate dauern und Zuständigkeiten wechseln, ist das keine Kleinigkeit.
Die App: jetzt auch am Steuer und auf der Uhr

Die Gira Smart Home App steht für beide Systeme zur Verfügung — sowohl für Gira One als auch für den Gira X1 — und bekommt mit diesem Update einige der sichtbarsten Neuerungen für den Endanwender.
Szenen lassen sich künftig über Widgets direkt auf dem Sperrbildschirm von iPhone oder iPad, auf dem Mac und auf der Apple Watch aufrufen, ohne die App öffnen zu müssen. Wer morgens die Jalousien hochfahren oder abends eine Beleuchtungsszene aktivieren möchte, tut das mit einem Tipp auf das Widget. Auf der Apple Watch funktioniert das auch, wenn das iPhone in der Tasche bleibt.
Dazu kommen Apple CarPlay und Siri Shortcuts. Über CarPlay lassen sich Szenen und Gebäudefunktionen direkt aus dem Fahrzeug heraus auslösen — praktisch für das Öffnen des Garagentors, das Aktivieren einer Ankunftsszene oder das Abschalten aller Lichter kurz vor dem Verlassen der Einfahrt. Siri Shortcuts erweitern das auf die Sprachebene: Wer „Hey Siri, ich fahre los“ definiert, kann damit eine ganze Kette von Gebäudeaktionen auslösen. Apple-Ökosystem-Nutzer bekommen mit diesem Update eine Tiefe der Integration, die bisher so nicht vorhanden war.
Auf der Anzeigeseite sorgt eine überarbeitete Listenansicht auf dem Gira G1, kombiniert mit zusätzlichen Statusanzeigen und über 400 neuen Icons, für mehr Übersichtlichkeit und individuellere Darstellungsmöglichkeiten. Das klingt nach Kosmetik, ist aber in der Praxis relevant: Ein System, das gut ablesbar ist, wird tatsächlich genutzt. Wer vor einer Statusanzeige steht, die verwirrend oder überladen ist, greift früher oder später wieder zum manuellen Schalter.

Kontinuierliche Weiterentwicklung als Versprechen
Was Gira mit diesem Update demonstriert, ist eine Produktstrategie, die auf langfristige Pflege setzt statt auf jährliche Hardware-Generationen. Gira One und Gira X1 sind keine Einmalkäufe, die nach drei Jahren veraltet sind — die Plattform wächst durch Software und neue Komponenten. Das ist für Planer und Installateure wichtig, weil sie Systeme empfehlen, die auch in fünf Jahren noch wartbar und erweiterbar sind. Und es ist für Bauherren und Eigenheimbesitzer relevant, weil eine Investition in Gebäudeautomation amortisiert werden will.
Die Bandbreite der Neuerungen ist dabei beachtlich: Sie reicht von technischen Grundlagen wie der Unterstützung neuer Datenpunktformate und DALI-2-Integration bis zu Komfortfunktionen wie Apple Watch Widgets und CarPlay. Das eine ist unsichtbar und wirkt im Hintergrund — das andere ist genau das, was ein Bewohner beim ersten Abend mit dem neuen System bemerkt und wertschätzt. Beide Ebenen zu bedienen ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines Produktverständnisses, das Technik als Mittel zum Zweck begreift: Der Zweck ist ein Gebäude, das sich mühelos bedienen lässt.
Für Elektrofachhandwerk, Planer und Systemintegratoren stehen alle Details und Dokumentationen unter partner.gira.de zur Verfügung.
Häufige Fragen
Für welche Systeme gelten die neuen Gira Updates?
Die Updates betreffen Gira One, den Gira X1 und die gemeinsame Gira Smart Home App. Beide Systeme erhalten neue Komponenten, erweiterte Visualisierungsfunktionen und Verbesserungen bei Bedienung und Projektierung. Die Smart Home App steht für beide Plattformen zur Verfügung.
Was ist neu bei Gira One?
Gira One bekommt den Tastsensor 4.70 Komfort mit bis zu acht konfigurierbaren Funktionen, eine Wetterzentrale für automatisierte Jalousien- und Beleuchtungssteuerung sowie den DALI Aktor Colour 4fach für flackerfreies Dimmen und präzise Farbtemperatursteuerung via DALI-2.
Kann der Gira X1 jetzt IP-Kameras einbinden?
Ja. Der Gira X1 unterstützt ab sofort die Einbindung von IP-Kameras über RTSP-Streams und ONVIF. Das ermöglicht die Integration von Kameras verschiedener Hersteller direkt in die Gira-Visualisierung, ohne proprietäre Zwischenlösungen.
Welche Apple-Funktionen unterstützt die Gira Smart Home App jetzt?
Die Gira Smart Home App unterstützt jetzt Widgets für iPhone, iPad, Mac und Apple Watch, Apple CarPlay für den Schnellzugriff auf Szenen aus dem Fahrzeug sowie Siri Shortcuts zur Sprachsteuerung von Gebäudefunktionen.
Ab wann sind die Updates verfügbar?
Alle Updates für Gira One, Gira X1 und die Smart Home App sind ab sofort verfügbar.
Was ist die Multi-Statusanzeige beim Gira X1?
Die neue Multi-Statusanzeige in der Smart Home App bündelt bis zu 20 Status-, Sensor- und Verbrauchswerte in einer einzigen Visualisierungskachel. Das ermöglicht einen schnellen Überblick über alle relevanten Gebäudewerte, ohne mehrere Ansichten öffnen zu müssen.
