Der Dacia Hipster ist das konsequenteste Argument, das die Rumänen in letzter Zeit gemacht haben: ein Fahrzeug, das kleiner, leichter und günstiger sein soll als alles, was Dacia bisher angeboten hat. Während der Spring 2 inzwischen gewachsen ist und aus Slowenien kommt, bleibt der Hipster eine Nummer kleiner – und soll 2027 auf den Markt kommen. Das berichtet das britische Magazin „Autocar“.

Vom Concept zum Serienmodell: ein langer Weg, ein klares Ziel

Dacia Hipster Concept, silberblaues L7e-Elektrofahrzeug mit Würfelform, vor modernem Gebäude
Der Dacia Hipster Concept misst nur drei Meter, bietet aber vier Sitze und bis zu 500 Liter Kofferraum. Quelle: Dacia

Im Oktober 2025 zeigte Dacia den Hipster noch als reine Elektro-Studie, ohne jeden Hinweis auf Serienpläne. Seither hat sich einiges getan. Britischen Medienberichten zufolge soll das Fahrzeug kommendes Jahr in Produktion gehen und in Großbritannien für rund 9.500 Pfund an den Start gehen – das entspricht gut 11.000 Euro. Gebaut wird der Hipster in China, in jenem Werk in Shiyan, das bereits die erste Spring-Generation hervorgebracht hat. Verantwortlich zeichnet das Joint Venture eGT New Energy Automotive, ein Gemeinschaftsunternehmen von Renault, Nissan und Dongfeng.

Für das Werk in Shiyan ist das ein wichtiges Signal: Nachdem die zweite Spring-Generation die Produktion nach Slowenien verlagert hat, braucht der Standort neue Aufträge. Der Hipster könnte diese Lücke füllen – und gleichzeitig vom entscheidenden Vorteil profitieren, den die L7e-Fahrzeugklasse bietet: Denn die EU-Sonderzölle auf in China produzierte Elektroautos greifen nur bei Pkw der Klasse M1, nicht bei Leichtfahrzeugen wie dem Hipster.

Dacia Hipster Concept in Frontansicht: blauer L7e-Elektrowürfel mit lila Innenraum und LED-Scheinwerfern
Der Dacia Hipster Concept zeigt sich von vorn: Das würfelförmige L7e-Leichtfahrzeug soll 2027 für unter 12.000 Euro nach Europa kommen.

Würfel auf Rädern: was die L7e-Klasse erlaubt und verlangt

Die Rahmenbedingungen der L7e-Klasse sind eng gesteckt: maximal 450 Kilogramm Leergewicht ohne Batterie, höchstens 15 kW Leistung, Topspeed bei 90 km/h. Klingt nach Mofa-Feeling, sieht aber erheblich brauchbarer aus. Der Hipster misst drei Meter in der Länge, 1,55 Meter in der Breite und 1,53 Meter in der Höhe – und nutzt jeden Zentimeter dieser Grundfläche aus. Dank senkrecht stehender Scheiben, quasi nicht vorhandener Überhänge und kastigem Aufbau passen vier vollwertige Sitzplätze hinein. Der Kofferraum fasst je nach Konfiguration zwischen 70 und 500 Liter, wobei der größere Wert bei umgeklappter Rückbank gilt.

Die zweigeteilte Heckklappe der Studie, bei der der untere Teil nach unten klappt wie beim Pick-up, wird es nach aktuellen Informationen allerdings nicht in die Serie schaffen. Stattdessen soll der Serien-Hipster eine konventionell seitlich angeschlagene Hecktür bekommen. Ansonsten soll das Serienmodell der Studie relativ nah bleiben.

Dacia Hipster Konzeptfahrzeug, würfelförmiges blaues L7e-Elektroauto, Seitenansicht vor Gebäude
Der Dacia Hipster misst nur drei Meter, bietet aber vier Sitze und bis zu 500 Liter Kofferraum. Quelle: Dacia

Smartphone statt Cockpit: Dacias radikale Sparphilosophie

Dacia Hipster Concept in Matteblau, Heckansicht mit LED-Rückleuchten und Geländereifen
Der würfelförmige Dacia Hipster Concept misst nur drei Meter, bietet aber bis zu 500 Liter Kofferraum. Quelle: Dacia

Was den Hipster von anderen Kleinstwagen unterscheidet, ist weniger die Größe als die Haltung dahinter. Dacia setzt konsequent auf seine „Bring your own device“-Philosophie: Das Smartphone dient als Schlüssel, wird über eine Docking-Station zum Navigationssystem und Infotainment-Display. Als Soundanlage fungiert in der Studie eine schlichte Bluetooth-Box. Die Seitenfenster werden geschoben, nicht elektrisch abgesenkt. Türgriffe wurden durch Schlaufen ersetzt. Das klingt asketisch – ist aber auch ein ernstzunehmendes Konzept, das den CO₂-Fußabdruck und die Produktionskosten zugleich klein halten soll.

Die Entstehungsgeschichte des Modells verlief dabei alles andere als gradlinig. Unter dem früheren Dacia-Chef Denis Le Vot war der Hipster noch als Nachfolger des Spring geplant. Dann entschied die Renault Group, dass ein Spring-Ableger auf Basis des wiederbelebten Renault Twingo diesen Platz einnehmen soll. Fabrice Cambolive, neuer Chief Growth Officer von Renault und Dacia, ordnete daraufhin eine Überarbeitung des Hipster-Konzepts an – mit dem Ziel, den Preis noch weiter zu drücken. Entwicklungshilfe soll dabei aus China kommen. Die endgültige Serienversion wird voraussichtlich im nächsten Jahr offiziell vorgestellt.

Dacia Hipster Elektrokonzept in Grau-Lila fährt durch eine Halle – markante Kastenform mit LED-Scheinwerfern
Der Dacia Hipster misst nur drei Meter und soll als L7e-Leichtfahrzeug ab 2027 für unter 12.000 Euro erhältlich sein. Quelle: Dacia

11.000 Euro für vier Sitze: die Einordnung

Rund 11.000 Euro für ein Fahrzeug mit vier Sitzplätzen, elektrischem Antrieb und europäischer Zulassung: Das ist, wenn der genannte Einstiegspreis hält, eine Ansage in einem Segment, das von teuren City-EVs und überteuerten Kleinstwagen geprägt ist. Der Hipster positioniert sich damit klar unterhalb des Spring und zielt auf ein urbanes Publikum, das Platz, Effizienz und Preis in Einklang bringen möchte, ohne sich dabei mit aufwendiger Technik zu belasten.