London, ein Herbsttag im September 2026: Bentley stellt einen neuen SUV vor, und der erste Satz, den man dazu sagen muss, klingt wie ein Widerspruch in sich. Das Auto, das kein Benzin verbrennt, klingt trotzdem nach Bentley. Und zwar nach echtem Bentley, nach dem dumpfen, erdigen Herzschlag eines 6¾-Liter-V8, der einem in den Brustkorb drückt. Willkommen beim Torcal.

Porsche-Technik in britischem Tweed

Bentley Torcal in Silber, Seitenansicht vor Bergpanorama bei Abenddämmerung
Der Bentley Torcal kombiniert ein fließendes SUV-Coupé-Design mit 888 PS und bis zu 600 km Reichweite. Quelle: Bentley

Bentley war einst die sportlicher angehauchte Schwestermarke von Rolls-Royce. Im Volkswagen-Konzern hat die Marke heute einen anderen, nicht minder prominenten Taktgeber im Hintergrund: Porsche. Die Plattform unter dem Torcal trägt das Kürzel PPE, und ja, dieselbe Architektur steckt auch im Cayenne Electric aus Zuffenhausen. Bentley interpretiert sie allerdings komplett anders: very british, sehr viel Handarbeit, sehr viel Crewe. Wer also glaubt, einen aufgeplusterten Porsche mit Winkelmotiv-Kühlergrill zu kaufen, irrt gewaltig. Die 800-Volt-Technik stammt aus demselben Regal, das Ergebnis ist ein anderes Tier.

Das 113-kWh-Netto-Akkupaket aus 192 Lithium-Ionen-Pouch-Zellen lädt an 400-kW-Ladern von 10 auf 80 Prozent in knapp 20 Minuten, und in sieben Minuten kommen 100 Meilen Reichweite dazu. Die WLTP-Reichweite liegt bei bis zu 600 km. Klingt nach einem Auto, das man einfach anfährt und nicht mehr über das Laden nachdenkt. Bentley garantiert den Akku 10 Jahre oder 100.000 Meilen lang, was angesichts der Kundschaft wahrscheinlich auf zehn Jahre hinausläuft.

888 PS, aber nicht für jeden Gaumen

Zwei Bentley Torcal Elektro-SUVs in Grau und Grün auf Landstraße bei Abenddämmerung, Heckansicht
Der Bentley Torcal teilt seine PPE-Plattform mit dem Porsche Cayenne Electric und leistet bis zu 888 PS. Quelle: Bentley

Der Torcal startet als zwei Modelle: das Basismodell mit 821 PS und 1.194 Nm, Sprint auf 60 mph in 3,3 Sekunden, Topspeed 250 km/h. Das S-Modell legt mit 888 PS und 1.350 Nm nach, beschleunigt in 2,8 Sekunden auf 60 mph und läuft bis 260 km/h. Damit ist das S die stärkste Momentan-Bestie, die Bentley je gebaut hat. Was interessant ist: das Entwicklungsteam hat die Leistung bewusst bei diesem Wert gedeckelt, weil härtere Beschleunigung für die meisten Kunden schlicht unangenehm wird. Das ist selten, dass ein Hersteller öffentlich sagt: mehr wäre möglich, aber wir wollen nicht. Respekt dafür.

Technisch sitzt im Torcal ein Doppel-Permanentmagnet-Synchronmotor-Setup. Der Hinterachsmotor arbeitet mit einem Sperrdifferenzial, der Vorderachsmotor mit offenem Differenzial. Dazu kommt vollaktive Einzelradaufhängung, erstmals bei einem Bentley: jeder Dämpfer wird unabhängig und in Echtzeit angesteuert, aktive Wankstabilisierung ohne klassische Stabilisatoren, Allradlenkung mit bis zu fünf Grad Einschlagswinkel hinten. Der Wendekreis beträgt 11,1 Meter, obwohl das Auto fünf Meter lang ist. Das ist die Art Engineering, die man mit der Lupe suchen muss beim Wettbewerb.

Bentley Torcal in Silbergrau auf Bergstraße bei Dämmerung, Heckansicht mit leuchtenden Rücklichtern
Das Kennzeichen „11 WO“ ist eine Hommage an Bentleys legendäre „Blower“-Rennsporttradition. Quelle: Bentley
Bentley Torcal in Silbergrau fährt auf einer Bergstraße bei Sonnenuntergang
Der Bentley Torcal debütiert als erster rein elektrischer SUV der Marke – mit bis zu 888 PS und 600 km Reichweite. Quelle: Bentley

Das Geräusch, das keiner erwartet hätte

Hier liegt das eigentliche Kunststück des Torcal: Er ist der erste elektrische Bentley, der sich trotzdem wie ein Big-Block-Verbrenner anfühlt. Nicht weil Bentley eine Sounddatei abspielt, sondern weil echte Musiker im Studio Schlagzeug, Viola und Bass-Gitarre aufgenommen haben, inspiriert vom Rhythmus des Bentley-V8. Das Ergebnis heißt Bentley Dynamic Symphony, hat subtile Imperfektionen wie ein echtes Instrument und skaliert mit Drehmomentabruf und Tempo. Im Sport-Modus wird es lauter und drängender, auf Wunsch lässt es sich komplett abschalten. Selbst die Blinker klingen nach einem Lederhammer aus der Polstererei in Crewe. Bentley nennt das Detailversessenheit. Wir nennen es: notwendig, um die Stammkundschaft zu überzeugen, und clever genug, um Neukunden zu faszinieren.

Schwarze Bentley-Torcal-Ledersitze mit Rautenmuster-Steppung und Bentley-Logo auf den Kopfstützen
Das Interieur des Torcal setzt auf schwarzes Leder mit geometrischem Rautenmuster und kontrastierenden weißen Nähten. Quelle: Bentley

Innen: Merino-Wolle, tausend Walnuss-Schichten und vier Stimmungen

Das Cockpit des Torcal besteht konsequent aus Materialien, die man anfassen möchte. Bentley hat gemeinsam mit Fox Brothers aus Somerset das weltweit erste Merino-Wolle-Automobilgewebe entwickelt, das die Responsible-Wool-Standard-Zertifizierung trägt. Das Furnier „Ombré Walnut by Mulliner“ besteht aus bis zu 1.000 einzeln ausgewählten Walnuss-Schichten, auf unter einen Millimeter dünn geschliffen. Vier Erlebnismodi, darunter ein „Comfort“-Modus mit digitalem Detox-Modus, der alle nicht essenziellen Displays ausblendet, steuern Licht, Klima, Sound und Informationsfluss. Gebogene OLED-Bildschirme, Gesichtserkennung für schnelles Fahrerprofil-Laden und ein Augmented-Reality-Head-up-Display runden das Bild ab. Das Naim-Audiosystem mit 1.780 Watt und 28 Lautsprechern inklusive Dolby Atmos 7.1 und kinästhetischen Sitz-Shakern ist optional, aber konsequent für eine Marke, die Fahren als Gesamterlebnis begreift.

Häufige Fragen

Was ist der Bentley Torcal?

Der Bentley Torcal ist das erste vollständig elektrische Modell der Marke. Er debütierte im September 2026 in London, basiert auf der 800-Volt-PPE-Plattform und ist als Standard- und S-Variante erhältlich.

Wie weit kommt der Bentley Torcal mit einer Ladung?

Der Torcal erreicht eine WLTP-Reichweite von bis zu 600 km (375 Meilen). An einem 400-kW-Schnelllader lädt er von 10 auf 80 Prozent in knapp 20 Minuten, in sieben Minuten kommen 100 Meilen Reichweite hinzu.

Wie stark ist der Bentley Torcal S?

Das S-Modell leistet 888 PS und 1.350 Nm Drehmoment, sprintet in 2,8 Sekunden auf 60 mph (2,9 s auf 100 km/h) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h.

Welche Plattform nutzt der Bentley Torcal?

Der Torcal basiert auf der PPE-Plattform (Premium Platform Electric) des Volkswagen-Konzerns, die auch im Porsche Cayenne Electric zum Einsatz kommt. Bentley adaptiert sie mit eigener Abstimmung und Karosserie.

Was ist die Bentley Dynamic Symphony?

Ein handkraftkomponierter Klangteppich aus echten Instrumentaufnahmen – Schlagzeug, Viola, Bass-Gitarre – der den Rhythmus eines Bentley-V8 imitiert und sich mit Tempo und Drehmomentabruf des Torcal verändert.

Wie lange ist die Akkugarantie beim Bentley Torcal?

Bentley gibt 10 Jahre oder 100.000 Meilen Garantie auf das Hochvolt-Akkupaket des Torcal.