Wer schon einmal versucht hat, auf einem Walking Pad eine E-Mail zu schreiben, kennt das Problem: Das Gerät zieht in einem Tempo, das man entweder hetzt oder ausbremst. Die eigene Körpermechanik spielt kaum eine Rolle, die Maschine gibt die Choreografie vor. Das Urevo CyberPad 3 dreht dieses Verhältnis um. Auf der IFA 2026 in Berlin präsentierte der Hersteller ein Walking Pad, das dem eigenen Schritt zuhört, statt ihn zu dirigieren. Das klingt nach einer kleinen Verschiebung. In der Praxis könnte es eine erhebliche sein.
Sensoren statt Schaltflächen: Wie WalkFree wirklich funktioniert
Das Herzstück des CyberPad 3 ist die sogenannte WalkFree Auto Speed Control. Im Laufbrett sitzen Drucksensoren, die das Auftreten des Nutzers in Echtzeit erfassen. Aus diesen Daten berechnet das Gerät, gemeinsam mit Motorinformationen, ein kontinuierliches Geschwindigkeitsprofil, das sich dem natürlichen Schritttempo anpasst. Wer langsamer wird, weil ein Gedanke schwerer wird oder ein Telefonat beginnt, bekommt das Band ebenfalls gedrosselt. Wer in Schwung gerät, folgt dem Band, nicht umgekehrt.

Technisch setzt Urevo dabei auf ein Mehrschichtsystem: Das Gerät legt für jeden Nutzer ein individuelles Profil an, das Körpergewicht und Schrittfrequenz erfasst und direkt in den Geschwindigkeitsalgorithmus einfließt. Mehrere Nutzerprofile lassen sich speichern, das System lernt mit der Zeit, wer gerade steht. Wer aufhört zu gehen, hält auch das Band an.
Die maximale Geschwindigkeit des CyberPad 3 liegt bei 6 km/h, also genau im Bereich eines entspannten Spaziertempos. Das ist keine Einschränkung, sondern ein Designentscheid: Das Gerät ist für Bewegung beim Arbeiten gedacht, nicht für ein Workout daneben.
Geometrie des Alltags: 11 cm Bauhöhe, 15 % Steigung
Wenn Urevo betont, dass das CyberPad 3 gerade einmal 11 cm flach baut, ist das kein Marketing-Randdetail. Es ist die Grundvoraussetzung dafür, dass ein Walking Pad unter einem Schreibtisch Platz findet, ohne den Raum zu dominieren. Der Rahmen besteht aus Q235-Stahl, die Seitenteile aus Druckgussaluminium, der Transmissionspfad wurde neu konstruiert, um diese Bauhöhe bei gleichzeitiger Stabilität zu ermöglichen.

Die Lauffläche misst 42 × 100 cm. Die Breite folgt dabei nach Herstellerangaben der Analyse menschlicher Schulterbreiten: breit genug für einen natürlichen Gang, schmal genug für den Platz unter einem Stehpult. Ergänzt wird das Gerät durch eine elektrische Steigungsverstellung von 0 bis 15 Prozent, die sich während des Gehens einstellen lässt. Eine moderate Steigung beim Gehen erhöht den Kalorienverbrauch spürbar, ohne dass die Geschwindigkeit steigen muss.
Das Ergebnis ist ein Gerät, das in einer Büroumgebung kaum auffällt, so lange es nicht benutzt wird, und beim Benutzen möglichst wenig Aufmerksamkeit einfordert. Keine Ausreden mehr, sich nicht genug zu bewegen: Urevo bietet mit dem CyberPad 3 ein Tool, das beim aufrechten Arbeiten zur Bewegung animiert, ohne zu überfordern. So bleibt nicht nur der Körper, sondern auch der Geist in Bewegung.
Was die Forschung zum Gehen im Büroalltag sagt

Die Frage, ob Bewegung am Schreibtisch mit kognitiver Leistung verträglich ist, beschäftigt die Wissenschaft seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Befunde sind konsistent, wenn auch nuanciert. Eine Studie der Mayo Clinic zeigte, dass aktive Workstations, zu denen Walking Pads zählen, Sitzzeiten reduzieren und die kognitive Leistung verbessern können, ohne die Arbeitsproduktivität zu mindern. Forscher der Brigham Young University fanden heraus, dass Menschen an Laufband-Schreibtischen kognitive Aufgaben fast ebenso gut bewältigen wie Sitzende. Leichte Einbußen bei Feinmotorik und Tippgeschwindigkeit traten auf, das Gesamtbild blieb positiv.
Eine kleine Studie aus dem Jahr 2023 belegte, dass Probanden, die ein Walking Pad während des Arbeitstags nutzten, mehr Energie fühlten, weniger Rücken- und Hüftschmerzen berichteten und sich konzentrierter und kreativer erlebten. Das passt zu einem breiteren Befund: Schon 1 Meile pro Stunde auf einem Laufband-Schreibtisch verbrennt rund 100 Kalorien mehr pro Stunde gegenüber dem Sitzen. Der entscheidende Punkt ist dabei, dass die Geschwindigkeit niedrig bleibt. Genau das leistet das CyberPad 3 konstruktiv.
Das Problem bisher war allerdings nicht nur das fehlende Gerät, sondern die mentale Hürde: Ein Walking Pad, das ein festes Tempo vorgibt, zwingt zur Anpassung, was Konzentration kostet. Ein Gerät, das dem eigenen Rhythmus folgt, nimmt genau diese Hürde aus dem Weg.
CyberPad-Familie und das wachsende Urevo-Portfolio

Das CyberPad 3 steht nicht allein. Urevo positioniert die CyberPad-Linie mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Das CyberPad for Office ist auf Bewegung während strukturierter Bürozeiten ausgelegt, mit einem Zwei-Bürstenmotor-System und einer Kapazität bis zu 400 Pfund. Das CyberPad 3 geht mit der automatischen Geschwindigkeitsanpassung einen anderen Weg, weniger auf Belastbarkeit, mehr auf Natürlichkeit.
Daneben umfasst das Portfolio inzwischen kompakte Cardio-Geräte wie das FoldiMix 5L Pro, das Walking und Running verbindet, sowie SpaceWalk 5L, SpaceWalk E4W und die Strol-Linie. Auf der IFA 2026 präsentierte Urevo zudem die neue Power-Serie mit kompakten Kabelzug-Lösungen für das Krafttraining, ergänzt durch einen sogenannten Wellness Hub, der Schlafdaten, Trainingsmetriken und Regeneration in einem KI-gestützten Dashboard bündeln soll.
Die Breite dieser Produktwelt ist ambitioniert. Ob der Wellness Hub im Alltag mehr leistet als ein weiteres App-Dashboard, wird die Zeit zeigen. Das CyberPad 3 aber hat auf der IFA überzeugt, wo es sowohl den TechRadar Best-in-Show-Award als auch den Trusted Reviews Innovation Award gewann. Zwei Auszeichnungen für ein Gerät, das im Kern eine alte Idee sehr viel konsequenter umsetzt als seine Vorgänger: dass gutes Werkzeug dem Menschen folgt, nicht umgekehrt.
