Es gibt Autos, die sehen so gut aus, dass man ihnen die Unpraktischheit beinahe verzeiht. Der Polestar 4 Coupé war so ein Fall: markantes Design, verschwundene Heckscheibe, wenig Kofferraum für den Preis. Wer damit zum Möbelhaus wollte, musste improvisieren. Polestar hat zugehört. Das Ergebnis heißt Polestar 4 SUV, rollt ab dem vierten Quartal 2026 zu den Kunden und kostet in der Einstiegsvariante 57.900 Euro. Es ist im Wesentlichen derselbe Polestar 4 — nur mit einem aufrechten Heck, mehr Kopffreiheit hinten und dem Gepäckraum, den das Coupé nie hatte.
Aufrechtes Heck, klare Ansage

Die Silhouette des Polestar 4 SUV unterscheidet sich vom Coupé durch eine geradere Dachlinie und eine vertikal stehende Heckklappe. Das klingt nach einer kleinen Änderung, macht aber in der Praxis einen erheblichen Unterschied: 530 Liter fassen sich bis zur Oberkante der Rücklehnen im Heck, 655 Liter bis zum Dachhimmel. Werden die im Verhältnis 60:40 umklappbaren Rücklehnen flachgelegt, wächst der Laderaum auf 1.665 Liter. Zusammen mit dem vorderen Frunk ergibt sich ein Gesamtvolumen von 1.680 Liter. Damit spielt der Polestar 4 SUV in einer anderen Liga als sein Coupé-Bruder und bewegt sich preislich und praktisch in jenem kompakten Premium-SUV-Segment, das momentan zu den umkämpftesten der gesamten Branche gehört.
Die Dachreling gehört zur Serienausstattung und trägt dynamisch bis zu 100 Kilogramm, was dem SUV-Charakter der Karosserie eine handfeste Funktion gibt. Vorne markieren die charakteristischen Dual-Blade-Scheinwerfer und das beleuchtete Polestar-Logo die Verwandtschaft zum Coupé — die Markenfamilie ist auf den ersten Blick erkennbar. Die Außenfarbpalette umfasst acht Töne, darunter zwei neue: Aurora, ein helles Silbergrün, und Ozone Matte, ein helles Silberviolett mit matter Klarlackoberfläche. Wer also Farbe will, aber keine laute, ist hier gut bedient.

Im Innenraum setzt sich die Verwandtschaft fort. Das horizontale Zentraldisplay, das Fahrerdisplay, die von kosmischen Themen inspirierte Ambientebeleuchtung und das Star Knit Dekor übernimmt der SUV direkt aus dem Coupé. Neu ist die überarbeitete Widget-Leiste auf dem Hauptdisplay: Statt sechs stehen nun neun Schnellzugriffe zur Verfügung. Die zweite Sitzreihe profitiert von 2,5 Zentimetern zusätzlicher Kopffreiheit gegenüber dem Coupé — ein Gewinn, der sich beim Einsteigen sofort bemerkbar macht. Das serienmäßige Panoramaglasdach reicht bis zur Heckklappe und filtert 99,5 Prozent der UV-Strahlung. Wer mehr Kontrolle über das Licht will, wählt optional das elektrochrome Glasdach, dessen Tönung sich über das Zentraldisplay stufenlos regulieren lässt — von vollständig transparent bis zur vollständigen Abdunkelung einzelner Zonen.
Beim Thema Heckscheibe löst sich der Polestar 4 SUV von einer der polarisierenden Entscheidungen seines Vorgängers: Er hat eine. Serienmäßig sitzt ein konventioneller Innenspiegel im Fahrzeug. Wer das digitale Rückspiegelsystem des Coupé bevorzugt, kann es optional ordern — praktisch für alle, die auch bei vollgeladenem Kofferraum eine freie Sicht nach hinten wollen.
Zwei Antriebe, ein Akku, klare Hierarchie

Beide Antriebsvarianten des Polestar 4 SUV teilen sich die 100-kWh-Batterie, was die Wahl zwischen ihnen auf eine Frage der Prioritäten reduziert: Reichweite oder Beschleunigung. Die Rear Motor Variante leistet 200 kW (272 PS) und 343 Nm, beschleunigt in 7,3 Sekunden auf 100 km/h und kommt laut WLTP auf bis zu 630 Kilometer. Das ist die Variante für alle, die weite Strecken mit möglichst wenig Ladestopp zurücklegen wollen. Die Dual Motor Variante kombiniert Allradantrieb mit 400 kW (544 PS) und 686 Nm, schafft den Sprint in 3,9 Sekunden und erreicht bis zu 600 Kilometer WLTP-Reichweite.
Beide Varianten laden DC mit bis zu 200 kW, in Deutschland ist zudem AC-Laden mit bis zu 22 kW möglich. Das Fahrwerk übernimmt die Abstimmung des überarbeiteten Polestar 4 Coupé, die auf eine Verbindung aus Alltagskomfort und direktem Handling ausgelegt ist. Für alle, denen das nicht reicht, gibt es das Performance-Paket: aktive ZF-Dämpfer, Brembo-Hochleistungsbremsen mit Bremssätteln in Swedish Gold, neue 22-Zoll-Räder mit Pirelli P Zero Performance-Reifen und eine entsprechend schärfere Lenkcharakteristik. Optisch unterscheiden sich die Varianten im Innenraum durch Details: Rear Motor kommt in Schwarz, Dual Motor ergänzt den Sicherheitsgurt und den Drehregler mit einem goldenen Streifen, das Performance-Paket kleidet beides vollständig in Swedish Gold.
Die Plattform — Geelys Sustainable Experience Architecture (SEA) — teilt der Polestar 4 SUV mit dem Coupé und verschiedenen anderen Fahrzeugen des Konzerns. Das ist kein Geheimnis und auch kein Nachteil: Die Architektur erlaubt die hohen Ladeleistungen, die langen Reichweiten und die flache Batterieintegration, die dem Innenraum seinen Raumvorteil sichern.

V2L, Camping Mode und das Leben jenseits der Steckdose

Vehicle-to-Load war lange ein Feature, das vor allem in Prospekten für Outdoor-Enthusiasten auftauchte und in der Praxis kaum genutzt wurde. Beim Polestar 4 SUV macht das Gesamtpaket die Funktion aber deutlich greifbarer. Das System stellt über einen zertifizierten Adapter bis zu 3,3 kW bei 230 Volt einphasig zur Verfügung, reicht also für Campingkocher, Elektrowerkzeuge oder Unterhaltungselektronik. Der Adapter ist für den deutschen Markt zugelassen und separat im Polestar Extras Webshop erhältlich. Ein konfigurierbarer Mindestladestand verhindert, dass die Batterie leer gezogen wird.
Der neue Camping Mode fügt dieser Funktion eine zweite Schicht hinzu. Per Tastendruck verwandelt sich der geparkte Polestar 4 SUV in einen klimatisierten Aufenthaltsraum mit Zugriff auf Entertainment, Ambientebeleuchtung und Fahrzeugfunktionen — sowohl über das vordere als auch über das hintere Display. USB-C-Anschlüsse und die 12-Volt-Steckdose ergänzen die Energieversorgung durch V2L. Das ist kein Ersatz für ein Zelt, aber eine ehrliche Erweiterung des Alltagsnutzens. Wichtig für alle bestehenden Polestar 4 Besitzer: Sowohl V2L als auch der Camping Mode werden per Software-Update auch für bereits ausgelieferte Polestar 4 Fahrzeuge verfügbar.

Google Gemini übernimmt das Wort
Die Sprachsteuerung im Polestar 4 SUV wechselt von Google Assistant zu Google Gemini. Der Unterschied liegt nicht nur im Namen: Gemini versteht Kontext, erlaubt mehrstufige Dialoge und reagiert auf natürliche Alltagssprache statt auf klar formulierte Einzelbefehle. Wer also mitten auf der Autobahn fragt, ob das Wetter am Ziel einen Mantel erfordert, bekommt eine Antwort, ohne zuvor eine exakte Formulierung einüben zu müssen. Gemini Live erweitert die freihändige Nutzung auf Bereiche wie Brainstorming, Reiseplanung und Echtzeitübersetzungen. Das System wird schrittweise in den Polestar-Märkten eingeführt und ist in 22 Ländern und 16 Sprachen verfügbar.
Optional liefert Harman Kardon ein auf das Fahrzeug abgestimmtes 12-Lautsprecher-System mit einem 1.400-Watt-Hybridverstärker. Wer Wert auf Klang legt und die Kompatibilität mit dem Raumangebot des SUV schätzt, findet hier eine sinnvolle Ergänzung zum Infotainment-Gesamtpaket.

Nachhaltigkeit als messbare Größe
Polestar veröffentlicht für seine Modelle Cradle-to-Gate-CO₂-Fußabdrücke, also die Emissionen von der Rohstoffgewinnung bis zum Werkstor. Beim Polestar 4 SUV liegt dieser Wert bei 21,1 Tonnen CO₂-Äquivalent für die Dual Motor Variante und bei 20,2 Tonnen für die Rear Motor Variante. Das sind nach Unternehmensangaben die niedrigsten Werte innerhalb der Polestar-Modellpalette. Erreicht werden sie durch den Einsatz von 100 Prozent erneuerbarem Strom bei der Produktion der Batteriezellen sowie durch Aluminium aus Schmelzwerken, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Dieses Aluminium macht 34 Prozent des gesamten Aluminiumanteils im Fahrzeug aus; weitere 23 Prozent des Aluminiums stammen aus recyceltem Material.
Bei der Innenausstattung setzt Polestar auf rückverfolgbare und recycelte Materialien. Das serienmäßige MicroTech verwendet ein Trägermaterial aus 100 Prozent recyceltem PET und eine PVC-Oberfläche mit einem bio-attribuierten Anteil von 53 Prozent. Die optionale Tailored Knit Polsterung besteht zu 89 Prozent aus recyceltem PET und wird im 3D-Strickverfahren hergestellt, was Produktionsabfälle reduziert. Das ebenfalls optional erhältliche Nappaleder von Bridge of Weir ist chromfrei, entsteht als Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie, erfüllt Tierwohlstandards und ist vollständig bis zu seinem Ursprung rückverfolgbar.

Produktion, Preise und der Weg zum Kunden

Alle Polestar 4 SUV werden im Werk Busan in Südkorea gefertigt, wo die Produktion im zweiten Quartal 2026 angelaufen ist. Die ersten Auslieferungen an Kunden sind für das vierte Quartal 2026 geplant. In Deutschland startet die Rear Motor Variante bei 57.900 Euro, die Dual Motor Variante bei 65.900 Euro. Das Performance-Paket ist ab 76.300 Euro erhältlich. Alle Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer, zuzüglich Überführungskosten.
Damit positioniert sich der Polestar 4 SUV deutlich oberhalb von Volumen-Elektro-SUVs, aber innerhalb des Rahmens, den Wettbewerber wie der BMW iX3 oder der Audi Q4 e-tron abstecken. Gemessen an dem, was er mitbringt — großer Akku, hohe Ladeleistung, durchdachter Innenraum, V2L, Camping Mode und eine Reichweite von bis zu 630 Kilometern — ist das Preisgefüge jedenfalls konsequent auf ein Premium-Publikum ausgerichtet, das sich bewusst für Polestar und seine Designsprache entscheidet. Der Polestar 4 SUV macht dieses Angebot nun auch für alle zugänglich, die einen vollwertigen Kofferraum als unverhandelbar betrachten.
Häufige Fragen
Was kostet der Polestar 4 SUV in Deutschland?
Die Rear Motor Variante startet bei 57.900 Euro, die Dual Motor Variante bei 65.900 Euro. Der Polestar 4 SUV mit Performance-Paket ist ab 76.300 Euro erhältlich. Alle Preise inklusive Mehrwertsteuer, zuzüglich Überführungskosten.
Wie viel Kofferraumvolumen hat der Polestar 4 SUV?
Das Heck fasst 530 Liter bis zur Oberkante der Rücklehnen, 655 Liter bis zum Dachhimmel. Bei umgeklappten Rücklehnen (60:40) wächst das Volumen auf 1.665 Liter. Zusammen mit dem Frunk ergibt sich ein Gesamtvolumen von 1.680 Liter.
Welche Reichweite erreicht der Polestar 4 SUV?
Die Rear Motor Variante (272 PS) kommt auf bis zu 630 km WLTP, die Dual Motor Variante (544 PS) auf bis zu 600 km WLTP. Beide Varianten nutzen eine 100-kWh-Batterie und laden DC mit bis zu 200 kW.
Was ist Vehicle-to-Load (V2L) beim Polestar 4 SUV?
V2L ermöglicht die Stromversorgung externer Geräte aus der Fahrzeugbatterie mit bis zu 3,3 kW bei 230 V. Der dafür nötige Adapter ist für den deutschen Markt zugelassen und separat erhältlich. Die Funktion kommt per Software-Update auch für bestehende Polestar 4 Modelle.
Ab wann wird der Polestar 4 SUV ausgeliefert?
Die Produktion in Busan, Südkorea, hat im zweiten Quartal 2026 begonnen. Die ersten Auslieferungen an Kunden sind für das vierte Quartal 2026 geplant.
Hat der Polestar 4 SUV eine Heckscheibe?
Ja. Im Unterschied zum Polestar 4 Coupé verfügt der SUV serienmäßig über eine Heckscheibe und einen konventionellen Innenspiegel. Das digitale Rückspiegelsystem des Coupé ist optional erhältlich.
