Im Motorsport gibt es Neuigkeiten und dann gibt es richtige Neuigkeiten. Opel wird ab der kommenden Saison 2026/27 an der Formel-E-Weltmeisterschaft teilnehmen. Mit einem Vierjahresvertrag, eigenem Werksteam und dem perfekten Timing zum Debüt der neuen Gen4-Rennwagen.

Die Meldung kommt direkt von der spanischen Rennstrecke in Jarama: Opel-CEO Florian Huettl und Formel-E-Chef Jeff Dodds haben dort gemeinsam verkündet, dass die Rüsselsheimer ab der nächsten Saison mit dem „Opel GSE Formula E Team“ in die ABB-FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft einsteigen. Für zunächst vier Jahre haben sich die Hessen verpflichtet, und der Teamname verrät bereits, wohin die Reise geht: GSE steht für „Grand Sport Electric“ und kennzeichnet bei Opel die sportlichsten Modelle im Programm.
Das Timing könnte kaum besser sein. Ab der kommenden Saison, der mittlerweile dreizehnten der Formel E, sind die neuen Gen4-Rennwagen im Einsatz und die markieren den bislang größten Leistungssprung in der Geschichte der Serie. Im Qualifying- und Attack-Modus erreichen die Boliden bis zu 600 Kilowatt, also 816 PS. Das sind satte 250 Kilowatt mehr als bisher, umgerechnet ein Plus von 340 PS. Dazu kommt ein permanenter Allradantrieb, der den bisherigen temporären ersetzt und für deutlich mehr Grip auf der Strecke sorgen wird.
Aber die Formel E wäre nicht die Formel E, wenn es nicht auch wieder ums Thema Energierückgewinnung ginge. Die Kapazität zur Rekuperation wurde auf bis zu 700 Kilowatt erhöht. Das Rechenspiel bleibt also dasselbe: Mit zu wenig Strom losfahren und ordentlich rekuperieren, um dann doch noch mit den letzten Kilowattstündchen ins Ziel zu kommen.

Nun liegt der Gedanke nahe, dass Opel einfach den Platz von DS übernimmt, die gestern ihren Abschied aus der Formel E nach Ende der laufenden Saison verkündet haben. Doch weit gefehlt. Die Rüsselsheimer rücken mit eigener Lizenz und eigenem Ingenieursteam an. Unter der Leitung von Motorsport-Chef Jörg Schrott bereiten sich Fahrzeug-, Entwicklungs- und Strategieingenieure bereits jetzt auf den Saisonstart vor. Zwar profitiert das Team von der Erfahrung, die Stellantis Motorsport bei der Entwicklung des Gen4-Modells gesammelt hat, aber Opel betont ausdrücklich, eigenes Ingenieur-Know-how in das Projekt einzubringen.
„Was vor fünf Jahren mit der Gründung des ersten vollelektrischen Rallye-Markenpokals begann, erreicht nun mit der Teilnahme an der FIA-Weltmeisterschaft seinen Höhepunkt“, sagt Jörg Schrott. Der Mann darf das so sagen, denn die Rüsselsheimer haben sich ihre Motorsport-Meriten im Elektrobereich tatsächlich verdient. Bereits 2021 rief Opel mit dem ADAC Opel Electric Rally Cup den weltweit ersten elektrischen Markenpokal ins Leben. Fünf Jahre lang stellten junge Rallye-Talente im Opel Corsa Rally Electric ihr Können unter Beweis, und der jeweilige Saisonsieger sicherte sich einen Platz im ADAC Opel Rally Junior Team für die Junior-Rallye-Europameisterschaft.

Dieses Erbe führt jetzt der Opel Mokka GSE Rally fort. Mit bis zu 207 Kilowatt und 345 Newtonmetern donnert der Rallye-Stromer über Asphalt und Geröll, wohlgemerkt vergleichsweise flüsterleise. Er ist damit mehr als doppelt so stark wie der bisherige Corsa Rally Electric und bietet Performance auf Rally4-Niveau. Das Besondere: Das Serienmodell Mokka GSE ist genauso stark wie sein Rallye-Pendant und übernimmt sämtliche Hochvolt-Komponenten. Der bis zu 200 km/h schnelle Straßensportler wurde 2025 bereits mit dem Goldenen Lenkrad ausgezeichnet, und wer ihn fährt, merkt schnell, dass das keine aufgehübschte Serienversion ist, sondern ein bewusst anders abgestimmtes Auto.
Wer beim Teamnamen gut aufgepasst hat, ahnt, wohin die Reise geht: Nach dem Mokka GSE kündigt Opel für 2026 bereits den neuen Corsa GSE an. Das Kürzel GSE dürfte künftig also noch häufiger auf Opel-Modellen auftauchen und die Brücke zwischen Rennstrecke und Showroom bilden.
Trotz oder gerade wegen der recht ähnlichen technischen Basis der Formel-E-Fahrzeuge machen am Ende die Fahrer einen Großteil des Erfolgs aus. In dieser Hinsicht hält man sich bei Opel noch bedeckt. Wer am Volant der ultraschnellen Elektro-Renner sitzen wird, können wir heute also noch nicht verraten. Einen ersten öffentlichen Auftritt wird das Opel GSE Formula E Team aber im April bei der offiziellen Gen4-Präsentation auf dem Circuit Paul Ricard im südfranzösischen Le Castellet haben. Spätestens dort dürften weitere Details folgen.
Wir sind gespannt. Denn welche Marke würde der Formel E besser zu Gesicht stehen als die mit dem Blitz?