Der GLC ist seit Jahren das meistverkaufte Modell von Mercedes-Benz. Jetzt bekommt der Bestseller eine vollelektrische Version mit 800-Volt-Technik, 360 kW Leistung und bis zu 715 Kilometer Reichweite. Wir waren in Portugal unterwegs und haben den elektrischen GLC auf Herz und Nieren geprüft.

Das Erfolgsmodell von Mercedes jetzt in vollelektrisch. Der GLC überzeugt nicht nur mit seinen technischen Daten.

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Mercedes GLC 400 - 800 Volt-Technik und über 700 km Reichweite

Wenn Mercedes-Benz seiner weltweit erfolgreichsten Baureihe einen vollelektrischen Ableger spendiert, dann ist das kein Experiment mehr, dann ist das eine Ansage. Der GLC 400 4MATIC mit EQ Technologie ist nach dem CLA das zweite Modell auf der neuen MB.EA-Plattform und bringt die 800-Volt-Architektur ins Midsize-SUV-Segment. Wir durften den Stuttgarter auf den Straßen der Algarve bewegen und hatten dabei ausreichend Gelegenheit, seine Qualitäten auf Landstraßen, in engen Dörfern und auf langen Küstenabschnitten zu ergründen.

Im Inneren des GLC findet sich die gewohnte Materialqualität des Herstellers. Alles passt zusammen, alles macht Sinn.

Design

Gleich vorweg: Mercedes hat sich gegen einen eigenständigen Elektro-Look entschieden und das ist eine kluge Wahl. Der neue GLC ist sofort als GLC erkennbar, trägt aber die überarbeitete Designsprache der Marke. Auffälligstes Element ist der neue beleuchtete Kühlergrill mit Chromrahmen und Gitterstruktur in Rauchglasoptik. Optional lassen sich 942 Leuchtpunkte illuminieren und sogar animieren. Das wirkt am stehenden Fahrzeug spektakulär, im Alltag dürfte es vor allem beim nächtlichen Entriegeln für Aufmerksamkeit sorgen.

Die Proportionen stimmen. Mit 4,85 Metern ist der elektrische GLC deutlich länger als sein Verbrenner-Pendant (4,71 m) und liegt damit fast auf dem Niveau des auslaufenden EQE SUV, aber die Silhouette bleibt vertraut. Skulpturale Schulterpartien, ausgeprägte Radläufe und eine cW-Wert-optimierte Dachlinie (cW 0,26) geben dem Fahrzeug eine kraftvolle, aber nicht aufgeblasene Erscheinung. Die zweiteiligen Heckleuchten in Sternoptik sind ein gelungenes Detail und kommunizieren per Animation, wenn das Fahrzeug entriegelt oder geladen wird.

Interieur

Im Innenraum empfängt einen der neue MBUX Hyperscreen, ein nahtloses Display mit 99,4 Zentimetern Bildschirmdiagonale. Das ist der bislang größte Bildschirm in einem Mercedes-Benz und er dominiert das Cockpit auf eine Weise, die man als beeindruckend oder als Reizüberflutung empfinden kann – je nach persönlicher Präferenz. Die Matrix-Backlight-Technologie sorgt für scharfe Darstellung, und die wählbaren Ambiente-Styles verwandeln den Bildschirm in ein stimmungsvolles Element. Wichtig zu wissen: Der Hyperscreen ist Sonderausstattung. Serienmäßig gibt es den MBUX Superscreen mit drei einzelnen Anzeigeflächen unter einer Glasabdeckung – ebenfalls hochwertig, aber ohne das nahtlose Erlebnis.

Mercedes GLC 400: Elektro-SUV mit 715 km Reichweite

Was bei der Testfahrt sofort auffällt: Mercedes hat auf Kundenwünsche gehört und die Wippe für Limiter und DISTRONIC sowie die Walze für die Lautstärke am Lenkrad zurückgebracht. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist im Alltag aber ein echter Gewinn. Überhaupt findet sich im GLC eine gute Balance zwischen Touch-Bedienung und physischen Bedienelementen. Die Sitzverstellung sitzt klassisch in den Türen, die Fensterheber sind Tasten geblieben, und der Warnblinker ist ein harter Knopf in der Mittelkonsole. So soll es sein.

Die Materialqualität gibt keinen Anlass zur Kritik. Die Verarbeitung ist durchweg hochwertig, die Holzoberflächen fühlen sich gut an und die Spaltmaße stimmen. Erwähnenswert ist das optionale Vegan-Paket, erstmals von der Vegan Society zertifiziert. Wer darauf Wert legt, bekommt ein konsequent tierfreies Interieur, ohne optische Abstriche bei der Wertanmutung machen zu müssen.

Ein Frunk mit über 120 Litern Volumen, das reicht nicht nur für Ladekabel und Co., sondern auch für das Bordgepäck.

„Endlich mal ein Frunk, den man vernünftig aufkriegt – einfach vorne auf das Mercedes-Symbol drücken und schon hat man 128 Liter zusätzlichen Stauraum“

Platz bietet der GLC reichlich. Durch den acht Zentimeter längeren Radstand (2.972 mm) gegenüber dem Verbrenner-GLC profitieren besonders die Fondpassagiere von 47 Millimetern mehr Beinfreiheit. Hinzu kommt ein Kofferraum mit 570 Litern (bis zu 1.740 Liter bei umgeklappter Rückbank) und ein 128 Liter fassender Frunk. Letzterer lässt sich denkbar einfach öffnen: Ein Druck auf das Mercedes-Emblem genügt. Dort passt ein Handgepäckstück hinein und obendrauf noch das Ladekabel. Für den Alltag ist das ein echtes Plus.

Technik

Unter der Haut arbeitet das 800-Volt-System, das Mercedes mit dem CLA eingeführt hat und nun auf das größere Format skaliert. Zwei permanenterregte Synchronmaschinen (PSM) treiben den GLC 400 an. Der stärkere Motor sitzt an der Hinterachse und verfügt über ein Zwei-Gang-Getriebe: erster Gang kurz übersetzt (11:1) für Beschleunigung und Stadtverkehr, zweiter Gang lang (5:1) für Effizienz auf der Autobahn. Die Vorderachse wird über eine Disconnect Unit bei Bedarf zugeschaltet, was Schleppverluste im reinen Heckantrieb minimiert. Beide Achsen nutzen SiC-Wechselrichter (Siliziumkarbid) für maximale Effizienz der Leistungselektronik.

Die Sitze passen perfekt, so erwartet man es bei der Marke mit dem Stern.

In nackten Zahlen bedeutet das: 360 kW (489 PS) Systemleistung, 800 Nm Drehmoment und 4,3 Sekunden von null auf hundert. Das ist flott, keine Frage. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei abgeregelten 210 km/h. Der Akku fasst 94 kWh netto, die Zellen verfügen über Siliziumoxid-Anoden und erreichen eine Energiedichte von 680 Wh/l. Die WLTP-Reichweite beträgt 673 Kilometer in der Serienausstattung, mit dem optionalen Long-Range-Paket (2.844 Euro Aufpreis) sind bis zu 715 Kilometer drin. Den WLTP-Verbrauch gibt Mercedes mit 15,8 kWh/100 km an, was für ein 2,5-Tonnen-SUV beachtlich wäre. Ob sich dieser Wert in der Praxis bestätigt, muss der ausführliche Test in heimischen Gefilden zeigen.

Fahrbericht

Auf den Straßen der Algarve entfaltet der GLC seine Stärken sehr überzeugend. Schon nach wenigen Kilometern wird klar: Das Fahrwerk ist hervorragend abgestimmt. In unserem Testwagen war die optionale Luftfederung AIRMATIC verbaut, die ihre Wurzeln in der S-Klasse hat – und das merkt man. Unebenheiten werden souverän absorbiert, ohne dass das Fahrzeug dabei schwammig wirkt. Im Gegenteil: In Kombination mit der ebenfalls optionalen Hinterachslenkung (bis zu 4,5 Grad) fühlt sich der GLC erstaunlich agil an.

Gerade auf den teils engen Straßen der portugiesischen Küstendörfer zeigt die Hinterachslenkung ihren Nutzen eindrucksvoll. Der Wendekreis schrumpft von serienmäßigen 12,1 Metern auf 11,2 Meter, bei niedrigen Geschwindigkeiten lenken die Hinterräder gegenläufig und das fast fünf Meter lange SUV manövriert durch Engstellen, die man ihm so nicht zutrauen würde. Auf der Autobahn kehrt sich das Prinzip um: Ab 60 km/h lenken die Hinterräder gleichsinnig mit, was die Fahrstabilität spürbar erhöht. Luftfederung und Hinterachslenkung sind zusammen als Agility & Comfort Paket erhältlich – eine Option, die wir für dieses Fahrzeug dringend empfehlen würden.

„Das Handling ist mit der Hinterradlenkung einfach genial – und das Luftfahrwerk extrem komfortabel und gut abgestimmt“

Die Leistungsentfaltung ist souverän und jederzeit verfügbar. 360 kW sind in allen Fahrsituationen mehr als ausreichend, die Traktion des Allradantriebs ist tadellos. Selbst in engen Kurven dreht kein Rad durch. Allerdings verführt der GLC nicht zum Sportfahren – er ist ein Gleiter. Und das ist auf den langen Küstenabschnitten des Südens genau die richtige Gangart. Das Geräuschniveau im Innenraum ist dabei vorbildlich. Mercedes spricht von umfangreicher Schallisolation und speziell gesehnten Statorwicklungen für einen leisen Antrieb. In der Praxis bedeutet das: Hier herrscht Ruhe, auch bei höherem Tempo.

Bei der Rekuperation bietet Mercedes vier Stufen über Lenkradwippen: D- (stärkste Rekuperation bis zum Stillstand, quasi One-Pedal-Driving), D (normale Rekuperation), D+ (keine Rekuperation, freies Gleiten) und D Auto (intelligente Rekuperation, die Streckendaten und Verkehr berücksichtigt). Die Rekuperationsleistung beträgt bis zu 300 kW. Im Automatikmodus nutzt der GLC Kartendaten, um vor Kurven selbstständig die Rekuperation hochzufahren und danach wieder freizugeben. Das funktioniert im Test erstaunlich geschmeidig und zeigt, wie weit die Integration von Navigation und Antriebsmanagement inzwischen gediehen ist.

Laden

Das 800-Volt-System ist das technische Herzstück und hier muss sich der GLC an der Konkurrenz messen lassen. Bis zu 330 kW DC-Ladeleistung verspricht Mercedes, von 10 auf 80 Prozent soll es in 22 Minuten gehen. In zehn Minuten sollen 240 bis 305 Kilometer Reichweite nachgeladen werden können. Das sind Werte, die allerdings unter Idealbedingungen ermittelt wurden. Ob die Ladekurve in der Praxis diese Versprechen hält, können wir nach der Testfahrt in Portugal noch nicht beurteilen – eine Lademöglichkeit hat sich auf unserer Route leider nicht ergeben.

Ein wichtiges Thema: Der GLC setzt auf reine 800-Volt-Architektur und verzichtet auf sogenanntes Bankladen, also die variable Verschaltung auf 2×400 Volt. Stattdessen soll länderspezifisch ein DC-Konverter verbaut werden, der das Laden an 400-Volt-Säulen ermöglicht. Wie das in der Praxis in Deutschland aussieht, bleibt abzuwarten. Beim CLA hatte Mercedes hier zunächst Kritik einstecken müssen, gibt sich aber zuversichtlich, dass es beim GLC keine Probleme geben wird.

AC-seitig lädt der GLC serienmäßig mit 11 kW, optional mit 22 kW. Angesichts des 94-kWh-Akkus ist die 22-kW-Option dringend empfehlenswert, wenn man regelmäßig über Nacht laden möchte – mit 11 kW dauert eine Vollladung laut Herstellerangabe rund 10,5 Stunden.

Infotainment und Assistenz

Die vierte MBUX-Generation bringt einige Neuerungen mit. Der Sprachassistent „Hey Mercedes“ nutzt einen sogenannten Multi-Agent-Approach: Je nach Frage greift das System auf ChatGPT-4o, Microsoft Bing oder Google Gemini zu und wählt automatisch die passende Quelle. Im Test funktioniert das flüssig. Der Assistent kann kontextbezogene Gespräche führen und Fragen zu Restaurants entlang der Route beantworten. Sinnvoller als die mäßig witzigen Witze ist die Integration von Google Maps als Navigationsgrundlage mit Echtzeit-3D-Umgebungsdarstellung.

An Bord sind bis zu zehn Außenkameras, fünf Radarsensoren und zwölf Ultraschallsensoren. Das Kamerabild rund ums Auto ist hervorragend und war auf den engen portugiesischen Sträßchen mehr als einmal Gold wert. Die Fahrassistenz staffelt sich in mehrere Digitale Extras: Von MB.DRIVE ASSIST (Level 2 mit Lenk-Assistent) bis hin zu MB.DRIVE ASSIST PRO für automatisiertes Fahren in der Stadt – letzteres allerdings vorerst nur in China und den USA verfügbar.

Ein Highlight verdient besondere Erwähnung: Das Sky Control Panoramadach mit schaltbarem Glas. Neun einzelne Segmente lassen sich individuell zwischen transparent und opak umschalten. Bei Nacht können 162 beleuchtete Sterne im Glas illuminiert werden. Das klingt nach Spielerei, schafft aber tatsächlich eine besondere Atmosphäre im Innenraum, die auf langen Fahrten zum Wohlbefinden beiträgt.

Preis und Einordnung

Der GLC 400 4MATIC mit EQ Technologie startet in Deutschland bei 71.281 Euro in der Ausstattung Avantgarde. Das ist fair eingepreist – Mercedes betont, preislich auf dem Niveau des Verbrenner-GLC zu liegen. Wer die Long-Range-Version mit bis zu 715 km Reichweite möchte, zahlt 2.844 Euro Aufpreis.

Im Wettbewerb positioniert sich der GLC gegen den frisch vorgestellten BMW iX3 (ab 68.900 Euro) und den Volvo EX60. Alle drei setzen auf 800-Volt-Technik und bewegen sich in einem ähnlichen Preisband. Der BMW bietet auf dem Papier mehr Reichweite, der GLC kontert mit höherer maximaler Ladeleistung und der bewährten Mercedes-Wertanmutung. Nach dem Marktstart des GLC 400 sollen vier weitere Modellvarianten folgen, darunter auch Heckantriebsversionen und Modelle mit LFP-Batterie.

Fazit

Der elektrische GLC ist kein Experiment, sondern ein konsequent durchentwickeltes Elektro-SUV, das sich nahtlos in die Mercedes-Welt einfügt. Fahrwerk und Fahrkomfort sind auf dem Niveau, das man von einem Fahrzeug mit Stern in dieser Preisklasse erwartet. Die 800-Volt-Technik ist State of the Art, die Reichweite auf dem Papier beeindruckend. Was noch aussteht, ist der Beweis in der Praxis: Wie verhält sich die Ladekurve an deutschen Schnellladern? Wie realistisch sind die WLTP-Werte im Alltag? Und wie kommt der GLC mit dem deutschen Winter zurecht? Die Testwagen sind jedenfalls schon geordert. Wer ein geräumiges, leistungsstarkes Elektro-SUV mit Premium-Anspruch sucht und sich im Mercedes-Ökosystem zu Hause fühlt, findet im GLC einen der stärksten Kandidaten des Segments.

Mercedes-Benz GLC 400 4MATIC mit EQ Technologie

Das erste Modell der neuen elektrischen GLC-Familie überzeugt mit souveränem Fahrverhalten, ausgereifter 800-Volt-Technik und Premium-Qualität. Ob die beeindruckenden Papier-Werte auch im Alltag halten, muss der ausführliche Test zeigen.

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