Der Leapmotor B03 hat auf dem Pariser Autosalon etwas getan, was in Messehallen voller Crossover fast schon rebellisch wirkt: Er steht flach auf dem Boden, hat eine Heckklappe statt eines Kofferraumdeckels und gibt sich nicht als Geländewagen im Taschenformat aus. Am 12. Oktober 2026 feierte der kompakte Fünftürer seine Europapremiere. Leapmotor International nutzte den Auftritt, um sein bislang umfangreichstes Modellangebot für Europa zu zeigen, und CEO Danilo Annese präsentierte auf der Pressekonferenz die Strategie für die nächste Wachstumsphase. Für den B03 fällt in diesem Programm die Rolle des Stadtautos zu.
Zwischen den Schubladen
Mit 4,18 Metern Länge, 1,79 Metern Breite und 1,56 Metern Höhe sortiert sich der B03 dort ein, wo die Branche ungern hinschaut: zwischen Kleinwagen und Kompaktklasse. Auch der Radstand von 2.605 Millimetern ist aus den Berichten von auto motor und sport bekannt. Den einen mag das Auto damit fast schon zu groß sein, den anderen fast schon zu klein. Wir finden: Genau das ist sein Reiz.

Denn der B03 sieht wohltuend klassisch aus. Er erinnert an jene Hatchbacks, die einst die Kompaktklasse ausmachten, und schwimmt nicht auf dem Dauertrend „SUV in allen Größen“ mit. Wer sich an die Geschichte erinnert, relativiert die Größendebatte ohnehin schnell. Der VW Golf, immerhin der Gründer der Kompaktklasse heutiger Zeiten, übertraf die Länge des B03 erst in seiner fünften Generation, und dann nur um wenige Zentimeter. Der erste Golf war mit rund 3,70 Metern gerade einmal knapp länger als ein Kia Picanto, der heute zwei Größenklassen unter dem Golf angesiedelt ist. Was heute als „fast zu klein“ durchgeht, hätte in den Jahrzehnten davor als vollwertiges Kompaktauto gegolten. Die Klassen sind gewachsen, der B03 ist es nicht, und das ist in einer Stadt mit knappen Parkplätzen kein Nachteil.
Ein SUV-Pendant gibt es übrigens schon: den B03X, der ab 24.900 Euro zu haben ist. Er misst 4,27 Meter und ist rund acht Zentimeter höher. Das X im Namen steht bei Leapmotor demnach für die Crossover-Variante, der B03 ohne X ist die flachere Alternative.
Strom, Tempo und 21 Minuten

Technisch basiert der B03 laut Leapmotor auf der neuesten Kompakt-Elektroplattform der Marke. Die WLTP-Reichweite beträgt bis zu 390 Kilometer, der Hersteller kennzeichnet den Wert in seiner Mitteilung mit einer Fußnote. Das Schnellladen mit 2,5 C bringt den Akku in 21 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Der Elektroantrieb leistet bis zu 145 kW. Das ist für ein Auto dieser Größe ordentlich Reserve, vor allem im Stadtverkehr, wo ein kräftiger Antritt an der Ampel den Alltag angenehmer macht.
Wie viel Akku dafür unter dem Boden liegt und welche Antriebsvariante nach Europa kommt, hat Leapmotor noch nicht offiziell gemacht. Zu vermuten ist aber, dass der 53-kWh-Akku des B03X mit LFP-Chemie verbaut wird. Mit dem Disclaimer, dass die WLTP-Homologation noch aussteht, nennt Leapmotor eine Reichweite von 390 Kilometer. Für den Stadtverkehr, den der B03 anpeilt, ist sie ohnehin eher Beruhigungspille als Alltagswert: Wer täglich 40 Kilometer pendelt, lädt selten.
Platz ist eine Frage des Packens

Leapmotor verspricht für ein Auto dieser Außenmaße ein erstklassiges Raumangebot. Konkret nennt der Hersteller bis zu 888 Millimeter Beinfreiheit im Fond und einen „äußerst vielseitigen“ Gepäckraum. Dazu kommen das wasserdichte Staufach „LeapBox“, das Rücksitzsystem „LeapFlex“ und mehr als 30 Ablagemöglichkeiten. Was sich hinter den Namen im Detail verbirgt, lässt die Mitteilung offen, die Idee ist aber klar: Das Auto soll sich dem Alltag anpassen und nicht umgekehrt.
Dass das Konzept plausibel ist, liegt am langen Radstand im Verhältnis zur Länge. Wer das Auto als Stadtflitzer mit Familientauglichkeit denkt, liegt nicht falsch. Ein Hatchback hat bei der Beladung gegenüber vielen kleinen SUVs ohnehin einen Vorteil: Die Ladekante liegt niedriger, und die Heckklappe öffnet den Raum weit.
Bildschirm und Beinfreiheit

Im Innenraum dominiert ein freistehender 14,6-Zoll-Touchscreen, davor sitzt ein digitales 8,8-Zoll-Kombiinstrument. Beide laufen mit Leap OS 4.0 Plus. Apple CarPlay und Android Auto funktionieren kabellos, auch hier verweist der Hersteller auf eine Fußnote. Over-the-Air-Updates gehören dazu, die Oberfläche ist nach Angaben von Leapmotor an Smartphones angelehnt. Das klingt nach dem Standardprogramm moderner Autos, ist aber in einem Segment, in dem Käufer lange Zeit mit Kleinstdisplays und Kabelsalat leben mussten, keine Selbstverständlichkeit.
Bemerkenswerter für ein Auto dieser Klasse ist die Komfortausstattung: Sitz- und Lenkradheizung, Klimaautomatik und großflächig verwendete Soft-Touch-Materialien nennt der Hersteller ausdrücklich als Merkmale, die im kompakten B-Segment selten zu finden sind. Wer im Winter schon einmal ein Kleinwagen-Lenkrad angefasst hat, weiß, was eine Lenkradheizung wert ist. Ob die Materialien im Alltag halten, was Hochglanz-Fotos versprechen, wird erst ein Dauertest zeigen.
21 Assistenten und eine offene Preisfrage

Bei der Sicherheit setzt Leapmotor auf die neueste Elektronik- und Elektroarchitektur der Marke, ein umfassendes Sensorsystem und 21 Fahrerassistenzsysteme. Welche das im Einzelnen sind und wie sie im Euro-NCAP-Test abschneiden, steht nicht in der Mitteilung. Die Zahl beeindruckt auf dem Papier, entscheidend wird sein, wie unaufdringlich die Systeme arbeiten.
Der Hersteller spricht von einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis, nennt aber keinen Europa-Preis und keinen Marktstart. Das ist die eigentliche Leerstelle der Paris-Premiere. Medienberichte schwanken: Während auto motor und sport eine Einordnung knapp unter dem B03X erwartet, der ab 24.900 Euro startet, ist an anderer Stelle von rund 20.000 Euro die Rede. In China wird das Modell als A05 für umgerechnet rund 7.500 Euro angeboten, ein Wert, der in Europa schon wegen Homologation, Ausstattung und Importkosten kein Maßstab sein dürfte. Das sind Erwartungen, keine Fakten.
Fest steht: Leapmotor wächst als Stellantis-Partner in Europa, und der B03 füllt eine Lücke im Programm mit einem Auto, das schlicht ein Auto sein will. Wenn der Preis stimmt, könnte ausgerechnet der unspektakuläre Hatchback zum spannendsten Leapmotor werden. Wir würden ihn gern fahren, bevor das Urteil fällt.
