Auf den Punkt:
Ferrari hat in Rom den Luce vorgestellt, das erste vollelektrische Serienmodell aus Maranello. Vier Elektromotoren leisten zusammen 772 kW (1050 PS), die Reichweite liegt bei über 530 Kilometern, der Sprint auf 100 km/h dauert 2,5 Sekunden. Es ist der erste viertürige Fünfsitzer der Markengeschichte.
Was ist der Ferrari Luce?
Der Luce ist das erste rein elektrische Serienmodell von Ferrari und gleichzeitig der erste Fünfsitzer der Marke. Erst der zweite viertürige Ferrari überhaupt eröffnet damit ein neues Segment im Portfolio, das parallel zu Verbrennern und Hybriden bestehen bleibt. Ferrari folgt damit dem Prinzip der Technologieneutralität, das 2022 am Kapitalmarkttag formuliert wurde: Elektrifizierung als Erweiterung, nicht als Ablösung.
Vorgestellt wurde der Wagen am 25. Mai 2026 in der Vela di Calatrava in Rom – exakt 79 Jahre nach dem ersten Rennsieg der Marke beim Gran Premio di Roma 1947. Das Designprojekt verantwortet das kalifornische Kreativkollektiv LoveFrom unter Sir Jony Ive und Marc Newson, in Zusammenarbeit mit dem Ferrari Centro Stile unter Flavio Manzoni. Über 60 neue Patente sind in das Projekt eingeflossen.

Welche Leistungsdaten liefert der Luce?
Vier Permanentmagnet-Synchronmotoren – zwei pro Achse, je einer pro Rad – erzeugen eine Systemleistung von 772 kW (1050 PS) und ein Motorendrehmoment von bis zu 990 Nm. An den Rädern stehen 11.500 Nm zur Verfügung. Damit beschleunigt der Luce in 2,5 Sekunden auf 100 km/h, in 6,8 Sekunden auf 200 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von über 310 km/h.
Die Hinterachsmotoren leisten jeweils 310 kW und drehen bis 25.500/min, die Vorderachsaggregate liefern 105 kW und drehen bis 30.000/min. Die Architektur arbeitet mit 800 Volt. Die Aggregate basieren auf den Motoren des F80 und nutzen Erfahrungen aus Formel 1 und Langstrecken-WM. Das Leergewicht liegt mit optionaler Ausstattung bei 2260 Kilogramm, die Gewichtsverteilung bei 47 zu 53 Prozent.

Wie groß ist die Reichweite und wie schnell lädt der Akku?
Der Hochvolt-Akku wird in Maranello entwickelt und gefertigt. Er besteht aus 210 in Reihe geschalteten Pouch-Zellen, die gemeinsam mit SK on entwickelt wurden, und bietet eine Bruttokapazität von 122 kWh bei 800 Volt. Die Zellen erreichen eine spezifische Energie von 305 Wh/kg. Die maximale Entladeleistung beträgt 830 kW.
Die Reichweite gibt Ferrari mit über 530 Kilometern an, die WLTP-Homologation läuft noch. An einer Schnellladestation mit bis zu 350 kW lassen sich 70 kWh in 20 Minuten nachladen. Ein eigens entwickelter Hochvolt-DC/DC-Booster erlaubt zudem das Laden mit bis zu 150 kW auch an 400-Volt-Säulen. Im Wechselstrommodus sind bis zu 22 kW möglich. Der Akku ist als strukturelles Element ausgelegt und trägt 20 Prozent zur Biege- und 40 Prozent zur Torsionssteifigkeit bei.
Was macht das Design besonders?
Prägendes Element ist das sogenannte „Glass House“: eine schalenartige Form, die sich bis unter die Gürtellinie zieht. Front- und Heckflügel wirken schwebend und übernehmen aerodynamische Funktionen. Die Front- und Heckleuchten sind transparent in die Oberflächen integriert und treten im ausgeschalteten Zustand zurück; die Halo-Rückleuchten zitieren die Formensprache von 360 Modena und 458 Italia.
Bei einer Länge von 5026 mm, einer Breite von 1999 mm und einem Radstand von 2961 mm verfügt der Luce über die größten gestuften Räder, die je an einem Ferrari-Serienmodell verbaut wurden: 23 Zoll vorn, 24 Zoll hinten. Zur Wahl stehen ein Schmiederad mit Fünfspeichen-Design und ein Turbinenrad. Die Lackpalette zur Markteinführung umfasst fünf Farben, darunter das neu entwickelte Giallo Luce.

Wie ist der Innenraum aufgebaut?
Der Innenraum kombiniert mechanische Bedienelemente mit OLED-Displays, die Samsung Display exklusiv für den Luce entwickelt hat. Vier Bildschirme mit 12,9, 12, 10,1 und 6,3 Zoll verteilen sich auf Instrumententafel, Mittelkonsole und Fond. Das Lenkrad besteht zu 100 Prozent aus Recycling-Aluminium und trägt die wichtigsten analogen Bedienelemente, darunter das fünfstufige Manettino und das dreistufige e-Manettino.
Das Kombiinstrument besteht aus drei mechanisch-digitalen Rundinstrumenten in Aluminiumgehäuse. Der Fahrzeugschlüssel verfügt über ein E-Ink-Display – Ferrari bezeichnet das als Weltneuheit im Automobilbau. Materialien wie eloxiertes Recycling-Aluminium, Corning Gorilla Glass und italienisches Premium-Leder dominieren das Interieur. Das Audiosystem arbeitet mit 21 Lautsprechern, 24 Kanälen und 3000 Watt Verstärkerleistung, ergänzt durch fünf Klang-Voreinstellungen unter dem Label „Ferrari Audio Signature“.

Wie funktioniert die Fahrdynamik?
Jedes Rad wird unabhängig über je einen Aktuator für Antrieb/Rekuperation, Lenkwinkel und Vertikalbewegung gesteuert. Eine neue Vehicle Control Unit aktualisiert die Sollwerte 500 Mal pro Sekunde und integriert Antrieb und Fahrwerk in einem Steuergerät. Das Side Slip Control X koordiniert Effizienz- und Stabilitätsstrategien, das aktive Fahrwerk wurde vom F80 abgeleitet, hinzu kommt eine unabhängige Hinterachslenkung.
Das e-Manettino bietet drei Modi: „Range“ mit 320 kW Leistungsbegrenzung und überwiegendem Heckantrieb, „Tour“ mit 460 kW und permanentem Allradantrieb sowie „Performance“ mit 725 kW und voller Reaktionsschnelligkeit. Im Launch-Control-Modus stehen kurzzeitig 765 kW zur Verfügung. Das neue Torque Shift Engagement erlaubt es, über die Schaltpaddel fünf Leistungs- und fünf Motorbremsstufen abzurufen – ohne simulierte Gangwechsel, aber mit kalibrierter, progressiver Drehmomententfaltung.

Wie klingt ein elektrischer Ferrari?
Der Sound wird nicht synthetisch generiert, sondern an der Quelle aufgenommen: Ein Präzisionsbeschleunigungsmesser im Hinterachsgehäuse erfasst die Vibrationen rotierender Komponenten. Ein patentiertes Filter- und Entzerrungssystem verarbeitet das Signal ähnlich einem Gitarrenverstärker und überträgt es über ein zweigleisiges Wiedergabesystem nach innen und außen. Die Klangverstärkung erfolgt vorrangig in der „Perfo“-Stellung des e-Manettino; im „Range“-Modus lässt sich der Wagen nahezu lautlos bewegen.

Was bietet Ferrari bei Garantie und Service?
Für die elektrischen Schlüsselkomponenten – Vorder- und Hinterachse, Batterie sowie Ladesystem – gilt eine achtjährige Garantie. Das „Genuine Maintenance“-Programm deckt die regelmäßige Wartung über sieben Jahre ab, in Intervallen von 20.000 Kilometern oder einmal jährlich ohne Kilometerbegrenzung. Der Service steht auch Zweitbesitzern offen. Hinzu kommt die App MyFerrari Luce mit Fernfunktionen für Vorkonditionierung, Ladeüberwachung und Routenplanung über Google Maps und Apple Maps. Preise und konkreten Marktstart hat Ferrari im Rahmen der Weltpremiere noch nicht kommuniziert.
Häufige Fragen
Wie schnell beschleunigt der Ferrari Luce?
Im Launch-Control-Modus beschleunigt der Luce in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und in 6,8 Sekunden auf 200 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 310 km/h. Die Spitzenleistung beträgt dabei 765 kW, die Systemleistung 772 kW (1050 PS).
Wie groß ist die Reichweite des Ferrari Luce?
Ferrari gibt die Reichweite mit über 530 Kilometern an. Die WLTP-Homologation läuft noch. Der Akku hat eine Bruttokapazität von 122 kWh und arbeitet mit einer 800-Volt-Architektur.
Wie schnell lädt der Ferrari Luce?
An einer Schnellladestation mit bis zu 350 kW lassen sich 70 kWh in 20 Minuten nachladen. Ein integrierter DC/DC-Booster ermöglicht zudem Laden mit bis zu 150 kW an 400-Volt-Säulen. Im Wechselstrommodus sind bis zu 22 kW möglich.
Wie viele Sitzplätze hat der Ferrari Luce?
Der Luce ist der erste Ferrari mit fünf Sitzen und vier Türen. Möglich wird das durch die rein elektrische Plattform, die ohne Mitteltunnel auskommt und die Batterie unter dem Boden sowie unter den Rücksitzen platziert.
Wer hat den Ferrari Luce designt?
Das Design verantwortet das kalifornische Kreativkollektiv LoveFrom unter Sir Jony Ive und Marc Newson, in enger Zusammenarbeit mit dem Ferrari Centro Stile unter Flavio Manzoni. Es ist das erste Ferrari-Modell, dessen Designrichtung extern definiert wurde.
Welche Garantie gibt Ferrari auf die Elektrokomponenten?
Auf die Kernkomponenten des elektrischen Antriebsstrangs – Vorder- und Hinterachse, Batterie und Ladesystem – gilt eine achtjährige Garantie. Hinzu kommt das siebenjährige Wartungsprogramm „Genuine Maintenance“, das auch Zweitbesitzern offensteht.

