Sophia Flörsch hat im Rüsselsheimer Adam-Opel-Haus den Schlüssel zu ihrem ersten elektrischen Dienstwagen entgegengenommen – einen Opel Mokka GSE mit 281 PS. Übergeben wurde der Wagen von Jörg Schrott, Opel-Motorsport-Direktor und Teamchef des neuen Opel GSE Formula E Teams. Im Gespräch mit Electric Drive spricht die 25-jährige Münchnerin über ihre Rolle als Entwicklungsfahrerin, den Sprung von Gen2 zu Gen4 und ihre Chancen auf einen Race Seat.

Übergabe im Adam-Opel-Haus

Rüsselsheim, Adam-Opel-Haus: Vor dem traditionsreichen Verwaltungsgebäude steht ein weiß-schwarzer Mokka GSE bereit – 281 PS, 200 km/h Spitze, gelbe Bremssättel hinter 20-Zoll-Felgen. Die Schlüsselübergabe an Sophia Flörsch übernimmt persönlich Jörg Schrott, seit 2012 Motorsport-Direktor und seit März 2026 zusätzlich Teamchef des neuen Opel GSE Formula E Teams.

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Dass ausgerechnet Schrott den Wagen übergibt, ist kein Zufall. Mit dem Einstieg in die Formel E zur Saison 2026/27 hebt Opel sein Engagement im elektrischen Motorsport auf WM-Niveau – und der Mokka GSE ist die straßenzugelassene Verbindung dieser Welt mit dem Alltag. Wichtige Komponenten wie Motor, Inverter und Batterie stammen unverändert aus dem Mokka GSE Rally, dem Einsatzfahrzeug des ADAC Opel GSE Rally Cup. Wer den Mokka GSE fährt, fährt damit ein Stück Werks-Motorsport.

Flörsch, deutsche Entwicklungsfahrerin des Formula E Teams, kommt mit der nötigen Erfahrung: Sie ist sowohl die Gen2 als auch bereits die ab Dezember einsatzbereite Gen4 der vollelektrischen Rennwagen gefahren – und hat im Gespräch mit Electric Drive klare Worte für beide.

Opel Motorsport-Chef Jörg Schrott und Rennfahrerin Sophia Lörsch mit dem Opel Mokka GSE.
Opel Motorsportchef Jörg Schrott hat gestern in Rüsselsheim Sophia Flörsch den schicken Mokka GSE in weiß übergeben.

Das Interview

Electric Drive: Sophia, dein erster elektrischer Dienstwagen – Freude drauf?

Sophia Flörsch: Sehr große Freude. Die Partnerschaft mit Opel wurde vor knapp zwei Monaten verkündet, und es war klar, dass ich dann auch einen Dienstwagen bekomme. Heute den Opel Mokka GSE abzuholen, macht mich sehr glücklich. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Wochen. Ich finde, er sieht in Weiß-Schwarz sehr schnittig und schnell aus. Ich freue mich, damit in München und Umgebung unterwegs zu sein.

Wie ist das Fahren mit einem elektrischen Rennwagen in der Formel E? Anders als mit einem Verbrenner?

Die Formel E ist vom Niveau her sehr hoch. Die Autos sind sehr schnell, vor allem die neuen Generation-4-Autos, die ab der nächsten Saison eingesetzt werden. Sie sind nun technisch noch anspruchsvoller und generell ein großer Schritt für die Formel E. Daher ist es definitiv der richtige Zeitpunkt für Opel, einzusteigen. Es ist eine hart umkämpfte Serie, sowohl fahrer- als auch team- bzw. herstellerseitig. Als deutsche Fahrerin Teil davon zu sein und das zusammen mit Opel zu machen, ist großartig. Meinen Teil als Entwicklungsfahrerin beizutragen, ist super. Das ist für mich eine große Challenge, aber eine sehr gute.

Sophia Flörsch mit Rennhelm im Cockpit des Gen 4 Formel E Fahrzeugs von Opel.
Das Ziel im Blick: Als Entwicklungsfahrerin für das Formel-E-Rennteam von Opel durfte Sophia Flörsch das Gen4-Fahrzeug schon auf der Rennstrecke in Le Castellet bewegen.

Du bist sowohl die Gen2 als auch die Gen4 schon gefahren. Wie groß ist der Unterschied?

Riesig. Mit der Gen4 waren es bisher nur ein paar Runden in Le Castellet, bei der Gen2 war es ein ganzer Testtag. Aber der Unterschied ist enorm – vor allem, was die Leistung angeht, und eben auch Aerodynamik, Reifen und einfach alles. Die Gen2 ist auf dem Leistungsniveau wie Formel 4. Der Gen4 ist einfach ein richtiger Vollblut-Rennwagen. Insofern ein Riesenschritt für die Formel E und generell ein positiver Schritt für den elektrischen Motorsport.

Man bekommt es in der Motorsportszene im Moment ja überall mit, wie viele Fahrer und Teams aus anderen Meisterschaften jetzt noch deutlich stärker ein Auge auf die Formel E geworfen haben.

Rennfahrerin Sophia Flörsch posiert neben dem Gen4 Formel E Fahrzeug, mit dem Opel in der nächsten Saison antreten wird.
Mit schnellen Autos hat Sophia Flörsch jede Menge Erfahrung. Für Opel ist sie nun als Entwicklungsfahrerin für das Formel E Team unterwegs. Späterer Einsatz auf der Rennstrecke nicht ausgeschlossen.

Wie groß sind die Chancen auf einen Race Seat in einer der kommenden Saisons?

Das werden wir sehen. Jeder weiß, dass das als Rennfahrer generell immer das Ziel ist, und das ist es auch hier: Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Unterm Strich geht es immer um sportliche Leistung – und darum, wie man im Auto performt, an Testtagen und im Simulator.

Wie ist es um Ladeinfrastruktur und Lademöglichkeiten bestellt? Welche Erfahrungen erwartest du?

Der Mokka GSE ist mein erstes vollelektrisches Auto. Das werde ich in den nächsten Wochen und Monaten herausfinden. Soweit ich weiß, ist Deutschland da schon sehr gut aufgestellt, vor allem rund um die großen Städte ist die Infrastruktur mit Ladesäulen sehr gut. Ich freue mich darauf, bin gespannt und werde sicher viele Kilometer mit dem Auto fahren.

Zur Person: Sophia Flörsch

Geboren am 1. Dezember 2000 in Grünwald bei München, wo sie bis heute lebt. Beginn der Motorsport-Karriere im Kartsport mit fünf Jahren. Mit neun Jahren Kart-Europameisterin; mit 14 Wechsel nach England in die Ginetta Junior Championship. 2015 als erste Frau in der ADAC Formel 4 mit Punkten und Podiumsplatz.

Am 18. November 2018 der bis heute prägende Einschnitt: Beim Formel-3-Grand-Prix von Macau hebt ihr Fahrzeug am Ende der langen Geraden mit nahezu 280 km/h ab und schlägt in einen Kameraturm ein. Eine Wirbelsäulenfraktur erfordert eine elfstündige Operation. Schon wenige Monate später sitzt sie wieder im Cockpit. 2020 erhält sie für ihre Rückkehr den Laureus World Sports Award für das Comeback des Jahres.

Danach ein breites Portfolio: 2023 als erste Frau Punkte in der FIA-Formel-3-Meisterschaft, mehrfache Einsätze bei den 24 Stunden von Le Mans und in der European Le Mans Series mit Podestplätzen in der LMP2-Klasse, DTM-Saison 2021 für Abt Sportsline. 2025 Wechsel in die Indy NXT, die Nachwuchsserie der IndyCar-Meisterschaft, für HMD Motorsport. Seit September 2020 zusätzlich TV-Moderatorin der RTL2-Show „GRIP – Das Motormagazin“.

Anfang 2026 dann der Schritt zurück nach Deutschland und in den elektrischen Motorsport: Entwicklungsfahrerin für das neue Opel GSE Formula E Team, das ab Saison 2026/27 in der ABB FIA Formel-E-Weltmeisterschaft an den Start geht.

Technische Daten: Opel Mokka GSE

AntriebFront-Elektromotor, permanenterregte Synchronmaschine
Leistung207 kW (281 PS)
Drehmoment345 Nm
Beschleunigung 0–100 km/h5,9 s
Höchstgeschwindigkeit200 km/h (Sport) / 180 km/h (Normal) / 150 km/h (Eco)
Batterie51 kWh netto / 54 kWh brutto, Lithium-Ionen
Reichweite (WLTP)bis 336 km
Verbrauch (WLTP)18,5 kWh/100 km
Ladeleistung ACbis 11 kW
Ladeleistung DCbis 100 kW
Leergewicht1.672 kg
Kofferraum310 l
FahrwerkTorsen-Lamellen-Sperrdifferenzial, doppelte Hydro-Stoßdämpfer, 1 cm Tieferlegung
Bremsen / RäderVierkolben-Bremssättel, 20-Zoll-Felgen, Michelin Pilot Sport EV 225/40
Komponenten aus MotorsportMotor, Inverter, Batterie, Kabelbaum aus dem Opel Mokka GSE Rally
Grundpreisab 47.300 Euro

Der Mokka GSE ist der aktuell schnellste vollelektrische Serien-Opel.