Pascal Wehrlein hat beim Doppel-Header in London seine zweite ABB FIA Formula E Drivers‘ World Championship gewonnen. Der Porsche-Pilot überstand ein chaotisches Rennen voller Kontakte, Positionswechsel und strategischer Wendungen und sammelte am Ende gerade genug Punkte, um Jake Dennis (Andretti) und Mitch Evans (Jaguar TCS Racing) auf Distanz zu halten.

Wie lief das entscheidende Rennen in London ab?

Den Sieg in Runde 17 holte sich Taylor Barnard für DS PENSKE vor Nyck de Vries und Edoardo Mortara (beide Mahindra Racing). Für Wehrlein verlief das Rennen alles andere als reibungslos. Auf Runde 27 instruierte ihn sein Ingenieur, den schnelleren Sébastien Buemi (Envision Racing) passieren zu lassen. Ein Manöver von António Félix da Costa nutzte Jake Dennis in seiner ersten ATTACK-MODE-Phase, um auf Rang acht vorzurücken und die virtuelle Tabellenführung zu übernehmen. Wehrlein fiel bis auf Platz zwölf zurück.

Vier Runden später sorgte ein Kontakt zwischen Wehrlein und Joel Eriksson (Envision Racing) an Turn 16 für weiteres Chaos. Dennis‘ Fahrzeug wurde bei dem Zwischenfall so beschädigt, dass er das Rennen beenden musste. Damit war seine Titelchance dahin. Mitch Evans lief auf Rang vier, brauchte aber einen Sieg für den Fahrertitel. Mit Barnard und den beiden Mahindras an der Spitze war Evans der notwendige Vorsprung nicht aufzuholen.

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Die entscheidende Szene des Rennens spielte sich mit zwei Runden verbleibend ab: Barnard aktivierte seinen ATTACK MODE spät, passte Mortara für den zweiten Platz und griff dann de Vries in der letzten Kurve innen an. Das reichte. Mit 22 Jahren und 76 Tagen ist Barnard jetzt der jüngste Rennsieger in der Geschichte der Formel E.

Pascal Wehrlein steigt nach dem Formel-E-Finale in London aus seinem Porsche #94
Wehrlein verlässt seinen Porsche im FIA Technical Area – Sekunden später stand fest: Er ist Formel-E-Weltmeister 2026. Quelle: Porsche

Was macht diesen Abschluss so besonders?

Ehrlich gesagt: eine ganze Menge. Barnards Sieg fiel ausgerechnet in das letzte Formel-E-Rennen, das DS Automobiles je bestreiten wird. Der Hersteller verabschiedet sich mit einem Erfolg aus der Serie. Wehrlein seinerseits bewies, was seine Stärke ausmacht: Auch wenn nichts nach Plan läuft, holt er das Ergebnis, das zählt. Und Jaguar TCS Racing krönte den Doppel-Header mit der Teams-Weltmeisterschaft, nachdem Porsche bereits in Tokio die Manufacturers‘-Krone eingeheimst hatte. Drei verschiedene Sieger in den drei Championatskategorien: So tückisch und spannend kann Formel E sein.

Dazu kommt ein weiterer Aspekt, der die Bedeutung dieser Saison über das Sportliche hinaus trägt. Für die neuen Teams der kommenden Saison, darunter Opel, stehen Fahrerverhandlungen an. Die Formel E bleibt ein Markt in Bewegung, und das Fenster zwischen dem letzten GEN3-Rennen und dem ersten GEN4-Start ist kurz. Alle Beteiligten müssen Kader und Technik gleichzeitig neu aufstellen.

Jaguar-TCS-Racing-Mitarbeiter jubelt mit erhobenen Fäusten im Fahrerlager beim Formel-E-Finale London 2026
Ausgelassener Jubel im Jaguar-TCS-Racing-Lager: Das Team sicherte sich beim Finale in London die Teams-Weltmeisterschaft der Formel-E-Saison 2025/26.

Welche Stimmen prägten den Abend nach dem Finale?

Wehrlein fasste seinen Abend in einem Satz zusammen: „You don’t crack under the pressure – we love the pressure, we embrace it, and we get even better with pressure.“ Barnard konnte seine Gefühle kaum in Worte fassen: „That’s the first time I’ve cried for a long time! To be the youngest race winner feels amazing.“ Er hob die Teamleistung hervor und sprach von einem Jahr unermüdlicher Simulatorarbeit, das sich erst im letzten Rennen in einem Sieg niederschlug.

Mitch Evans im Jaguar TCS Racing Overall befestigt seinen Helm in der nächtlichen Formel-E-Boxengasse
Mitch Evans beim Anschnallen seines Helms: Sein Team Jaguar TCS Racing holte beim Londoner Finale die Teams-Weltmeisterschaft. Quelle: Jaguar

Was passierte abseits der Strecke beim Londoner E-Prix?

Das Rennen zog eine Reihe prominenter Gäste an. Auf den Tribünen und in der Boxengasse waren unter anderem die „Emily in Paris“-Darsteller Lucien Laviscount und Lucas Bravo zu sehen, dazu Formel-1-Weltmeister Damon Hill, Boxer Viddal Riley, MMA-Veteran Alistair Overeem und Schauspieler Jimmy Akingbola. Rapper AJ Tracey und DJ Josh Baker heizten dem Publikum vor dem Rennen ein, DJ Isan Elba legte ebenfalls auf.

Formel-E-GEN3-Fahrzeug mit Startnummer 27 bei der Formel E in London auf einer Stadtstraße
Ein GEN3-Fahrzeug auf dem Londoner Straßenkurs beim Saisonfinale 2026 – dem letzten Rennen der GEN3-Ära vor dem Start von GEN4.

Welche Partnerschaften und strukturellen Neuigkeiten verkündete die Formel E in London?

Parallel zum Rennwochenende gab die Formel E mehrere Vereinbarungen bekannt. Die weitreichendste: Disney+ wird ab der Saison 2026/27 die globale Streaming-Heimat der Meisterschaft in 144 Territorien. In den USA läuft die Übertragung zusätzlich über ESPN+. Die Formel E gehört mehrheitlich Liberty Global; das Abkommen soll neue Zuschauergruppen erschließen, während bestehende Free-TV- und Linearsender-Vereinbarungen laut Angaben der Serie erhalten bleiben.

Audiohersteller Sennheiser und die Formel E gehen ebenfalls eine mehrjährige Partnerschaft ein. Im Mittelpunkt steht Sennheisers AMBEO Immersive Audio, das die Übertragung des GEN4-Sounds in dreidimensionaler Qualität ermöglichen soll. Daneben soll die Technologie tief in Broadcast- und Streckenoperationen integriert werden.

Mobilfunkanbieter giffgaff wird der erste B-Corp-Partner der Formel E. Beide Organisationen tragen das B-Corp-Zertifikat. Als Teil der Zusammenarbeit fließen 25.000 Euro aus dem Better Futures Fund der Meisterschaft an Big Issue, eine gemeinnützige Organisation, mit der giffgaff seit 2023 kooperiert. Das Programm versorgt Zeitungsverkäufer mit aufbereiteten Smartphones und soll deren durchschnittliche Einnahmen um 30 Prozent steigern.

Das Bildungsprogramm Driving Force, das PIF und die Formel E gemeinsam betreiben, wird auf eine neue Online-Plattform ausgeweitet. Seit dem Start im April 2025 in Miami hat das Programm nach eigenen Angaben 92.400 Jugendliche über Lehrpläne und 1.738 über Live-Workshops in den USA, Saudi-Arabien und Großbritannien erreicht. Die neue Plattform richtet sich mit separaten Bereichen an Schüler, Eltern und Lehrende und kombiniert interaktive Quizze, Spiele und Unterrichtsmaterialien zu den Themen STEM, Nachhaltigkeit und Mobilität.

Taylor Barnard (DS Penske) feiert mit Platz-1-Schild seinen Formel-E-Sieg in London
Taylor Barnard gewann in London als jüngster Fahrer der Formel-E-Geschichte – im Alter von nur 22 Jahren und 76 Tagen. © DS Penske

Wann beginnt die GEN4-Ära und was bringt sie mit sich?

Mit dem Londoner Finale endet die GEN3-Ära endgültig. Das GEN4-Auto debütiert beim Saisonauftakt 2026/27 am 18. Dezember 2026 in Jeddah. Der neue Bolide leistet 600 kW (über 815 PS) und verfügt über aktiven Allradantrieb in jeder Rennphase. Pre-Season-Tests sind für Madrid geplant.

Die Leistungssteigerung gegenüber GEN3 ist erheblich. Alle Teams müssen sich parallel zu laufenden Fahrerverhandlungen auf ein technisch grundlegend anderes Fahrzeug einstellen. Gerade für neue Teilnehmer wie Opel, die ihre Fahreraufstellungen noch nicht vollständig kommuniziert haben, wird das Zeitfenster bis Dezember eng. Die Formel E geht in ihre nächste Phase, und die Weichen dafür werden in den kommenden Wochen gestellt.

Zwei Nissan-Formel-E-Fahrzeuge (Nr. 23) auf dem Stadtkurs beim Formel-E-Saisonfinale
Nissan e.dams mit zwei GEN3-Fahrzeugen beim Formel-E-Finale – die GEN3-Ära endet 2026 in London. Quelle: Nissan

Häufige Fragen

Wer ist Formel-E-Weltmeister 2026?

Pascal Wehrlein vom Porsche Formula E Team hat beim Saisonfinale in London seine zweite ABB FIA Formula E Drivers' World Championship gewonnen.

Wer hat das letzte Rennen der Formel-E-Saison 2025/26 in London gewonnen?

Taylor Barnard (DS PENSKE) gewann Runde 17 vor Nyck de Vries und Edoardo Mortara (Mahindra Racing). Mit 22 Jahren und 76 Tagen ist er der jüngste Rennsieger in der Geschichte der Formel E.

Wer gewann die Teams-Weltmeisterschaft der Formel E 2026?

Jaguar TCS Racing sicherte sich die ABB FIA Formula E Teams' World Championship beim Londoner Finale. Die Manufacturers'-Krone hatte Porsche bereits früher in der Saison in Tokio gewonnen.

Wann startet die GEN4-Saison der Formel E?

Die Saison 2026/27 beginnt am 18. Dezember 2026 in Jeddah. Pre-Season-Tests finden zuvor in Madrid statt.

Was leistet der neue GEN4-Formel-E-Bolide?

Das GEN4-Fahrzeug stellt 600 kW (über 815 PS) bereit und verfügt über aktiven Allradantrieb in jeder Rennphase.

Wo wird die Formel E ab 2026/27 gestreamt?

Disney+ wird ab der Saison 2026/27 die globale Streaming-Heimat der Formel E in 144 Territorien. In den USA läuft die Übertragung zusätzlich über ESPN+.