Der Berlin E-Prix 2026 macht die Formel E am 2. und 3. Mai in Tempelhof wieder zum Doppel-Wochenende. Citroën Racing reist mit Cassidy und Vergne an – beide haben hier eine Rechnung offen, die diesmal aufgehen soll.
Wenn die Formel E in Berlin Halt macht, ist das in der Serie ungefähr so traditionell wie Currywurst am Hauptbahnhof: Tempelhof ist seit der allerersten Saison fester Bestandteil des Kalenders, und auch 2026 fährt das komplette Feld am 2. und 3. Mai wieder über die berüchtigt rauen Betonplatten des stillgelegten Flughafens. Wir sind für plugged.de mit Citroën Racing vor Ort – und die Franzosen haben sich für das Wochenende einiges vorgenommen.

Doppel-Header zur Saisonhalbzeit
Die beiden Berliner Rennen sind die Runden 7 und 8 der zwölften Formel-E-Saison – also genau die Saisonmitte, an der sich entscheidet, wer in der zweiten Hälfte noch um den Titel mitreden darf. Die Strecke ist 2,374 Kilometer lang, hat 15 Kurven und einen Belag, der Reifen und Fahrer gleichermaßen zermürbt. Wer hier gewinnen will, braucht weniger reine Pace als ein gutes Gespür dafür, wann man Energie ausgibt und wann man sie spart.
Die WM-Tabelle führt vor dem Wochenende übrigens Pascal Wehrlein mit 83 Punkten an, gefolgt von Edoardo Mortara (Mahindra) mit 72. Heimrennen unter Druck, könnte man sagen.

Pit Boost am Samstag, klassisch am Sonntag
Damit das Wochenende nicht zweimal dasselbe Rennen wird, hat sich die FIA zwei Formate überlegt:
- Samstag (Runde 7): Pit Boost ist im Spiel – also ein vorgeschriebener Boxenstopp, bei dem in kurzer Zeit eine bestimmte Energiemenge nachgeladen wird. Dazu gibt es eine Attack-Mode-Phase über sechs Minuten. Das soll die berüchtigten Berliner „Peloton-Rennen“, in denen sich das Feld zu einem energiesparenden Pulk zusammenrottet, etwas aufbrechen.
- Sonntag (Runde 8): kein Pit Boost, dafür acht Minuten Attack Mode, frei einteilbar. Klassischer, aber ebenfalls strategielastig.
Heißt für die Teams: zwei Rennen, zwei komplett unterschiedliche Strategiebücher. Heißt für Zuschauer: Wer am Samstag früh ins Bett geht, verpasst am Sonntag möglicherweise die Hälfte.

Citroën Racing in Berlin: Cassidy und Vergne mit Hausvorteil
Die beiden Citroën-Piloten dürften das Wochenende mit einem gewissen Selbstbewusstsein angehen.
Nick Cassidy ist in Tempelhof so etwas wie der Hausherr der GEN3-Ära: Er hat hier 2023, 2024 und 2025 jeweils ein Rennen gewonnen – also einen Sieg pro Jahr, seit das aktuelle Auto eingesetzt wird. In die Saison ist er mit einem Podium beim Auftakt in São Paulo und einem Sieg in Mexiko gestartet. Schwung mitgebracht hat er also.
Jean-Éric Vergne, zweifacher Formel-E-Champion, hält in Berlin gleich zwei Rekorde: die meisten Pole Positions (vier) und die meisten Podestplätze (acht). Wenn es einen Fahrer gibt, der die Eigenheiten der Strecke verinnerlicht hat, dann er.
Citroën-Teamchef Cyril Blais spricht zur Lage selbst eher nüchtern: Das Team habe „starke Wochenenden, aber auch ein paar härtere“ hinter sich und nutze die Pause vor Berlin, um an der Konstanz zu arbeiten. Klingt unaufgeregter, als es PR-Texte sonst tun – und in einer Saison, in der Wehrlein und Mortara vornweg fahren, ist das vermutlich auch realistischer.

Was rund um die Strecke passiert
Tempelhof ist nicht nur Rennen, sondern auch das Formula E Festival Berlin mit Fan Village, Foodcourt, Kartbahn, Sim-Racing-Area und Live-Musik. Auf der Bühne stehen am Samstag Max Giesinger, am Sonntag die Berliner Rapperin ZAH1DE. Ob man das musikalisch passend findet oder nicht, ist Geschmackssache – die Tribünenplätze waren laut Veranstalter ohnehin schon vor dem Wochenende ausverkauft, Fan-Village-Tickets gibt es nach Verfügbarkeit noch an der Tageskasse.

Zeitplan (an beiden Tagen identisch)
| Uhrzeit | Programmpunkt |
|---|---|
| 09:00 | Fan Village öffnet |
| 09:30 | Freies Training |
| 11:40 | Qualifying |
| 13:30 | Autogrammstunde |
| ~14:15 | Konzert (Sa: Giesinger, So: ZAH1DE) |
| 16:00 | Rennen |
| 17:00 | Siegerehrung |
| 19:00 | Ende |
Worauf wir achten
Drei Dinge, die das Wochenende interessant machen dürften:
- Wie stark verändert Pit Boost das Berliner Pulk-Rennen am Samstag wirklich? Theoretisch sollte sich das Feld auseinanderziehen. Theoretisch.
- Kann Cassidy seine Berlin-Serie verlängern? Vier Jahre in Folge ein Sieg in Tempelhof wäre eine Ansage – und für Citroën in der Konstrukteurswertung Gold wert.
- Wehrlein zu Hause unter Druck: Die Tabellenführung verteidigt es sich besonders unangenehm vor heimischem Publikum, wenn die Konkurrenz in zwei Rennen 58 Punkte holen kann.
Wir berichten übers Wochenende vom Geschehen rund um die Citroën-Box und liefern nach den Rennen Analyse statt Pressetext-Echo nach.
