Mittelgroßes SUV, Allradantrieb, 475 kW Systemleistung und eine Ladekurve, die ihresgleichen sucht: Der Zeekr 7X AWD in der Privilege-Ausstattung will ab 64.990 Euro im hart umkämpften Segment der elektrischen Premium-SUVs mitmischen. Wir haben den Newcomer aus China ausführlich getestet.

Zeekr ist die Premiummarke des chinesischen Geely-Konzerns, zu dem auch Volvo, Polestar und Lotus gehören. In den Niederlanden und der Schweiz bereits vertreten, startet der 7X nun auch in Deutschland. Mit 475 kW Systemleistung, Luftfahrwerk, einer 100-kWh-Batterie und 800-Volt-Architektur positioniert sich der 7X direkt im oberen Segment. Wir hatten das Topmodell mit Allradantrieb im Test.

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Design

Mit 4,79 Metern Länge und 1,93 Metern Breite zeigt der 7X Präsenz, ohne protzig zu wirken. Der cW-Wert von 0,247 ist für ein SUV dieser Größe beachtlich. Besonders gelungen: das aufgeräumte Heck mit geschickt verborgenem Scheibenwischer. Die Front bewahrt sich trotz aerodynamischer Optimierung ein eigenständiges Gesicht – aktive Luftklappen hinter dem geschlossenen Grill öffnen und schließen je nach Kühlbedarf automatisch. Das Topmodell rollt auf 21-Zoll-Rädern und variiert dank Luftfahrwerk die Bodenfreiheit zwischen 172 und 217 Millimetern.

Interieur

Der Einstieg gelingt beim Topmodell per elektrischem Türöffner auf Knopfdruck. Digitales Fahrerinstrument, großes Zentraldisplay und Head-up-Display bilden die Informationsebenen. Die Sitzposition passt auf Anhieb, elektrische Verstellung samt Memory-Funktion und Massagefunktion sind an Bord. Die Materialauswahl ist solide, auch wenn der Klavierlack an Lenkrad und Mittelkonsole Fingerabdrücke magisch anzieht. Highlight: Zwei belüftete induktive Ladeflächen verhindern überhitzende Smartphones bei gleichzeitiger Navigation.

Im Fond herrschen komfortable Platzverhältnisse mit ISOFIX, USB-C, USB-A und elektrischem Sonnenschutzrollo. Das Panorama-Glasdach reicht bis in den Fond und lässt sich verdunkeln. Der Kofferraum fasst 539 Liter, die Rücksitzbank klappt im Verhältnis 60:40 – eine ganz ebene Ladefläche entsteht dabei allerdings nicht. Der Frunk unter der Fronthaube bietet 42 Liter für Ladekabel oder Verbandszeug.

„Das Fahrzeug ist extrem verbindlich, was das Fahren und das Lenken angeht – mit 11,6 Metern Wendekreis ist man auch in der Stadt gut unterwegs“

 

Technik

Zwei Elektromotoren treiben den 7X AWD an: hinten 310 kW bei 440 Nm, vorne 165 kW bei 270 Nm – zusammen 475 kW Systemleistung und 710 Nm. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 3,8 Sekunden, bei 210 km/h wird abgeregelt. Das Luftfahrwerk lässt sich dreistufig variieren (Komfort, Standard, Sport) und bietet einen Komforteinstieg, bei dem sich das Fahrzeug automatisch absenkt. Vorne arbeitet eine Doppelquerlenker-Aufhängung, hinten eine Mehrlenkerachse – eine Kombination, die man eher in der Oberklasse erwartet. Rekuperation in zwei Stufen und One-Pedal-Driving sind verfügbar.

Laden

Hier spielt der 7X einen seiner größten Trümpfe aus. Die 100-kWh-Batterie mit 800-Volt-Architektur lädt beeindruckend schnell: An einer 300-kW-Säule zog unser Testwagen von Beginn an konstant knapp 298 kW und hielt das Niveau bemerkenswert lang. Selbst kurz vor 80 Prozent lagen noch über 200 kW an. Ergebnis: Von 10 auf 80 Prozent in nur 16 Minuten – wohlgemerkt bei einstelligen Außentemperaturen. Die Batterievorkonditionierung erledigte ihren Job offensichtlich hervorragend. Langstrecke ist damit kein Problem. Das Navi plant Ladestopps automatisch und erlaubt die Auswahl bevorzugter Anbieter. Eine Vehicle-to-Load-Funktion (V2L) versorgt externe Geräte mit Strom, die Entladegrenze lässt sich auf das Prozent genau einstellen.

Fahren

Rund 600 bis 700 Kilometer haben wir zurückgelegt, der Gesamteindruck ist durchweg überzeugend. In der Komfort-Stufe glättet das Luftfahrwerk selbst ruppige Fahrbahnen souverän, in Sport wird es straffer, aber nicht unangenehm hart. Bei Tempo 205 fühlt man sich sicher aufgehoben. In Kurven reagiert der 7X präzise, das Lenkgefühl ist verbindlich, trotz SUV-Maßen bleibt er dank 11,6-Meter-Wendekreis auch in der Stadt handlich.

Ein Kritikpunkt: Ab 195 km/h warnt das System mit Tönen und Rotlicht vor der Höchstgeschwindigkeit – unnötig und per Over-the-Air-Update leicht zu beheben. Beim Verbrauch blieb der Bordcomputer in der Stadt unter 20 kWh/100 km, auf der Autobahn bei moderatem Tempo bei 22 bis 22,5 kWh/100 km. Im Alltagsmix dürfte der Wert unter 25 kWh/100 km liegen, bei sparsamer Fahrweise sind auch unter 20 kWh/100 km realistisch.

 

Assistenzsysteme und Software

Apple CarPlay und Android Auto sind von Anfang an verfügbar. Das Assistenzpaket umfasst Verkehrszeichenerkennung, Totwinkelbewachung, Notbremsassistent, Spurhalteassistent und adaptive Geschwindigkeitsregelung mit automatischem Spurwechsel. Ein Wächtermodus zeichnet bei Erschütterungen Videos auf und sendet Push-Nachrichten. Hinzu kommen Modi für Haustier, Wellness, Camping und Fahrzeugwäsche. Die Menüführung ist gut übersetzt, vereinzelt erfolgen Sprachausgaben noch auf Englisch.

Die Individualisierungsmöglichkeiten sind enorm: Von Federungshärte über Rekuperationsstärke bis zur Head-up-Display-Konfiguration lässt sich nahezu alles anpassen. Amüsant: Über externe Lautsprecher lassen sich Katzenmiauen, Pferdewiehern oder Sportwagen-Sounds abspielen. Braucht man das? Nein. Unterhaltsam? Definitiv.

 

Preise und Ausstattung

Der 7X startet als Core mit Heckantrieb bei 54.990 Euro, die Long-Range-Variante kostet 57.990 Euro, unser Testwagen als Privilege AWD 64.990 Euro. Damit liegt er deutlich unter vergleichbar motorisierten Modellen von BMW oder Mercedes und fällt in allen Varianten unter die Grenze für die 0,25-Prozent-Dienstwagenbesteuerung. Der Vertrieb läuft über die Website und Auslieferungszentren, ein Händlernetz befindet sich im Aufbau.

 

Fazit

Der Zeekr 7X AWD ist eines der ausgereiftesten chinesischen Elektroautos auf dem deutschen Markt. Man hat nirgendwo das Gefühl, dass noch Updates nötig sind, bevor alles rund läuft. Das Fahrwerk überzeugt, die Ladeleistung setzt Maßstäbe, die Ausstattung lässt kaum Wünsche offen. Kleine Schwächen wie der Klavierlack oder fehlende Kamerareinigung trüben den Eindruck nur marginal. Für Vielfahrer, die schnelles Laden und ein komfortables Langstreckenfahrzeug suchen, ist der 7X eine ernstzunehmende Alternative zu BMW iX, Mercedes EQE SUV oder Tesla Model X. Die offene Frage bleibt die Service-Infrastruktur einer Marke, die hierzulande am Anfang steht. Wer darüber hinwegsieht, bekommt ein Fahrzeug auf Augenhöhe mit der etablierten Konkurrenz.