Sonos hat am 1. September in Santa Barbara seine Software erstmals als Betriebssystem mit eigenem Namen vorgestellt. Sonos 27 bringt tragbare Surround-Speaker, eine Kopfhörer-Anbindung, eine überarbeitete App und gleich drei KI-Baustellen. Der Rollout beginnt am 8. September. Wer genau hinsieht, findet viel „Early Access“, viel „zunächst auf Englisch“ und eine Menge offener Fragen.
Zwanzig Jahre lang hieß die Software, die Sonos-Lautsprecher zu einem System verbindet, schlicht „die Sonos App“ oder intern S1 und S2. Jetzt bekommt sie einen Markennamen: Sonos 27. Der Hersteller begründet das damit, dass Kunden Neuerungen künftig leichter zuordnen können sollen, ähnlich wie bei iOS oder Android. Die Zahl folgt offenbar dem Modelljahr-Prinzip der Autoindustrie, denn die Software erscheint im Herbst 2026 und soll das System bis in das Jahr 2027 tragen. CEO Tom Conrad formuliert es so: „Vor zwanzig Jahren sind wir eine Wette eingegangen, bei der der Rest der Branche erst jetzt ankommt: Ein Zuhause verdient ein eigens dafür gemachtes Audio-Betriebssystem.“
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Im Mai 2024 hatte Sonos mit einer radikal umgebauten App das größte Debakel seiner Firmengeschichte ausgelöst. Fehlende Funktionen, nicht erreichbare Lautsprecher, wütende Kunden, ein Jahr Reparaturarbeit und schließlich im Januar 2025 der Abgang von CEO Patrick Spence. Sein Nachfolger Conrad hat seitdem vor allem eines versprochen: Verlässlichkeit. Sonos 27 ist nun der erste große Software-Wurf unter seiner Regie, und er kommt ausgerechnet mit dem Versprechen, das viele Nutzer am wenigsten hören wollen: Künstliche Intelligenz.
Was Sonos 27 eigentlich ist
Technisch handelt es sich nicht um ein neues System, sondern um eine Umbenennung und Erweiterung der bestehenden S2-Plattform. Sonos 27 wird per automatischem Update auf alle S2-fähigen Produkte verteilt, also auf praktisch alles, was Sonos in den letzten zehn Jahren verkauft hat. Der wichtige Zusatz im Kleingedruckten lautet allerdings: „Die Verfügbarkeit der Funktionen variiert je nach Produkt.“ Eine Kompatibilitätsliste, welcher ältere Lautsprecher welches neue Feature bekommt, gibt es bislang nicht. In der Sonos-Community hat ein Nutzer sie bereits eingefordert, ein Sonos-Mitarbeiter hat sie zugesagt. Wer eine Play:1 oder einen Connect der ersten Generation besitzt, bleibt ohnehin außen vor: S1-Geräte sind nicht Teil von Sonos 27.
Unter dem System liegt das, was Sonos jetzt „Sonos Fabric“ nennt: die Fähigkeit der Geräte, sich gegenseitig zu erkennen, ihre Position im Raum zu bestimmen und Rollen automatisch zu übernehmen. Das ist im Kern die alte Sonos-Stärke, nur ergänzt um eine neue Ortungstechnik, die mit hochfrequenten, für Menschen unhörbaren Tonimpulsen arbeitet. Daraus ergeben sich die beiden Funktionen, die im Alltag am ehesten begeistern dürften.

Tragbare Surrounds: Move 2 und Sonos Play werden zu Rücklautsprechern
Ab dem 8. September lassen sich zwei identische tragbare Lautsprecher, also entweder zwei Move 2 oder zwei Sonos Play, als kabellose Rear-Speaker in ein Heimkino-Setup einbinden. Die Soundbar erkennt per Ultraschall, wo die Speaker stehen, richtet das Klangbild entsprechend aus und koppelt sie über ein latenzarmes Mesh-Netzwerk. Der Vorgang soll rund zehn Sekunden dauern und ohne manuelle Einrichtung auskommen. Wer den Move anschließend mit auf die Terrasse nimmt, löst ihn einfach aus dem Verbund und stellt ihn später wieder hinter das Sofa. Kompatibel sind laut Sonos die Soundbars Beam Ultra, Arc Ultra, Arc und Beam der zweiten Generation.
Das ist eine kluge Idee, weil sie ein reales Problem löst: Feste Rear-Speaker sind in vielen Wohnzimmern schlicht nicht durchsetzbar. Zwei Einschränkungen bleiben. Erstens braucht es zwingend ein Paar, ein einzelner Move reicht nicht. Zweitens sind die Play-Speaker, die seit Frühjahr für rund 300 Euro verkauft werden, mit ihren kleinen Treibern eher Effektlautsprecher als vollwertige Surrounds. Ob die Ortung auch in verwinkelten Räumen mit Teppich und Regalen zuverlässig funktioniert, wird der Test zeigen müssen.
Kopfhörer-Anbindung: Nur für den neuen Ace Ultra
Die zweite Fabric-Funktion nennt Sonos „Headphone Linking“. Ein Druck auf die Hörmuschel des neuen Sonos Ace Ultra, und die Musik, die gerade im Wohnzimmer läuft, wechselt auf den Kopfhörer. Das funktioniert direkt über WLAN zwischen Kopfhörer und System, ohne Bluetooth-Pairing und ohne dass das Smartphone in der Nähe sein muss. Damit erfüllt Sonos endlich einen Wunsch, den Käufer des ersten Ace seit 2024 äußern: Der Kopfhörer war bisher außerhalb des TV-Sound-Swaps ein Fremdkörper im eigenen Ökosystem.
Der Haken: Die Funktion startet erst am 29. September, ist als „Early Access“ gekennzeichnet und bleibt zum Start exklusiv dem Ace Ultra vorbehalten. Besitzer des ersten Ace, der vor gerade einmal zwei Jahren für 499 Euro auf den Markt kam, gehen leer aus. Ob und wann sie nachträglich bedient werden, sagt Sonos nicht. Auch die Frage aus der deutschen Community, ob der Ace Ultra Fernsehton aus einem Sonos Amp übernehmen kann oder nur von Sonos-Lautsprechern, blieb bislang unbeantwortet.
Die App: Reparatur wird zum Feature

Die Sonos 27app, wie sie jetzt heißt, bekommt ab dem 8. September eine neue Standard-Navigation mit drei festen Tabs für Start, System und Suche. Lieblingsräume lassen sich anheften, ein virtueller Lautstärkeregler reagiert auf eine Zwei-Finger-Drehgeste, und Presets speichern eine Kombination aus Räumen, Inhalt und Lautstärke als „Vibe“. Auf dem iPad gibt es erstmals eine eigene Now-Playing-Ansicht, auf dem iPhone Sperrbildschirm-Steuerung, Live-Aktivitäten, Dynamic Island und eine Anbindung an Siri und Kurzbefehle. Parallel stellt Sonos mit Sonos 27web eine Browser-Steuerung als Alternative zur App bereit.
Sonos betont, dass viele dieser Punkte direkt aus dem Community-Feedback stammen. Das stimmt, und es ist auch ehrlich gemeint. Man sollte aber nicht vergessen, was hier gefeiert wird: eine App, die nach zweieinhalb Jahren wieder ungefähr so bedienbar ist, wie es die alte vor Mai 2024 war. Favoriten und Sperrbildschirm-Steuerung gab es in der alten S2-App bereits, Presets ähneln stark den früheren Alarm- und Favoriten-Kombinationen. Bemerkenswert ist eher, was fehlt: Von Android ist in der Ankündigung außer der neuen Trueplay-Unterstützung kaum die Rede.
Sonos 27voice: Der dritte Anlauf, und wieder zuerst auf Englisch
Der heikelste Teil der Ankündigung ist die KI. Sonos 27voice ist ein neuer, hauseigener Sprachassistent, der natürlichere Befehle verstehen soll. Als Beispiel nennt Sonos: „Spiel unten etwas, das den Kindern gefällt.“ Einfache Anfragen sollen lokal auf dem Gerät verarbeitet werden, nur für komplexere Wünsche greift das System auf größere KI-Modelle in der Cloud zurück. Ein Abo ist nicht nötig, die Funktion ist optional und muss aktiv eingeschaltet werden. Sie startet im Herbst als Early Access, zunächst auf Englisch in den USA. Weitere Sprachen sollen folgen.
Genau an dieser Stelle lohnt sich ein Blick zurück. Sonos Voice Control, der Vorgänger, startete 2022 auf Englisch, bekam im Dezember 2022 Französisch und blieb dabei. Deutsch kam nie. Vier Jahre lang konnten deutsche Sonos-Kunden die hauseigene Sprachsteuerung nicht nutzen und waren auf Alexa angewiesen, deren Integration Sonos zwischenzeitlich ebenfalls zurückgefahren hatte. Wer heute liest „weitere Sprachen folgen“, darf skeptisch sein. Sonos hat bislang nicht einmal einen Zeitrahmen genannt.
Sonos 27mcp: ChatGPT, Claude und Gemini steuern die Anlage

Interessanter, weil technisch offener, ist Sonos 27mcp. Sonos betreibt dafür einen öffentlichen Server nach dem Model Context Protocol, dem offenen Standard, über den KI-Assistenten externe Systeme ansteuern. Wer ChatGPT, Claude, Gemini oder ein selbst gehostetes Sprachmodell nutzt, kann seine Sonos-Anlage damit verbinden und aus dem Chat heraus Musik starten, Räume gruppieren oder die Lautstärke ändern. OpenAI ist Startpartner; Atty Eleti von OpenAI verspricht, dass man ChatGPT „von Telefon oder Computer aus bitten kann, überall im Haus Musik zu spielen, ohne die Unterhaltung zu verlassen“. Nick Millington, Chief Innovation Officer bei Sonos, liefert die Philosophie dazu: „Das smarteste Zuhause wird nicht von einem Allzweck-Assistenten geführt, sondern davon, dass Menschen wählen können.“
Das ist ein bemerkenswerter Schritt, denn Sonos öffnet sein System damit erstmals für Assistenten, die nicht auf dem eigenen Lautsprecher laufen. Der Early Access beginnt am 8. September, zunächst ebenfalls nur für US-Englisch. Wer den Dienst nutzt, gibt einem externen KI-Agenten Zugriff auf sein Heimsystem; Sonos selbst rät, die erteilten Berechtigungen genau zu prüfen. Wie feingranular sich diese Rechte vergeben lassen und was mit den Nutzungsdaten bei OpenAI, Anthropic oder Google passiert, hat Sonos bisher nicht dokumentiert. Für ein Unternehmen, das Datenschutz gerne als Verkaufsargument nutzt, ist das dünn.
Custom Agents: Der französische Koch im Lautsprecher
Als Technologievorschau zeigte Sonos schließlich „Custom Agents“: mehrere KI-Persönlichkeiten mit eigenem Aktivierungswort, eigener Stimme und eigenem Zweck, die parallel auf einem Lautsprecher leben. In der Demo waren das ein französischer Koch, ein Musikkurator und ein Quiz-Agent. Ein fertiges Produkt soll es erst 2027 geben. Man darf das als Ausblick verstehen, wohin Sonos den Lautsprecher entwickeln will: weg vom reinen Musikgerät, hin zur Plattform für Sprach-KI. Ob die Kunden das wollen, ist eine andere Frage. In der Community war der meistgeäußerte Wunsch zur Ankündigung nicht mehr KI, sondern die Zusicherung, dass sich alles davon abschalten lässt und die Kernfunktionen nicht darunter leiden.
Die neue Hardware: Beam Ultra und Ace Ultra
Passend zum System hat Sonos zwei Produkte vorgestellt, die ab sofort vorbestellbar sind und am 29. September ausgeliefert werden. Die Beam Ultra für 699 Euro schließt die Lücke zwischen Beam und Arc Ultra und ist die erste kompakte Sonos-Soundbar mit echten Höhenkanälen: Neun Class-D-Verstärker treiben fünf Hochtöner und vier Tieftöner an, zwei davon nach oben gerichtet, für ein 7.1.2-Setup. Der neu gestaltete Center-Kanal bekommt eine KI-gestützte Sprachverbesserung in vier Stufen. Dolby Atmos wird über Dolby Digital Plus und TrueHD unterstützt, DTS nur in der Basisvariante; DTS:X und DTS-HD Master Audio fehlen weiterhin. Anschlüsse: HDMI eARC, WLAN 6, Bluetooth 5.3 und ein USB-C-Port, über den optionale Adapter für Ethernet oder Line-In angeschlossen werden. Der bisherige Netzwerkanschluss entfällt damit, ein Rückschritt für alle, die ihre Soundbar aus gutem Grund verkabeln. Die Bar misst 750 mal 63 mal 105 Millimeter, wiegt 2,88 Kilogramm und kommt in Schwarz und Weiß. Trueplay funktioniert erstmals auch mit Android-Geräten.
Der Sonos Ace Ultra kostet 449 Euro und damit 50 Euro weniger als der erste Ace zum Start. Neu sind ein 40-Millimeter-Treiber, ein Array aus zehn Mikrofonen, das die Geräuschunterdrückung laut Sonos verdoppelt, ein adaptiver Equalizer, der sich bei jedem Aufsetzen an den Sitz anpasst, sowie 35 Stunden Laufzeit mit aktivem ANC. Drei Minuten Laden sollen drei Stunden Musik bringen. Bluetooth 6.0, aptX Adaptive Lossless, USB-C-Audio und die erwähnte WLAN-Direktverbindung zum Sonos-System runden das Paket ab. Ohrpolster und Akku sind vom Nutzer austauschbar. Farben: Schwarz, Soft White, Sand und das neue Agave, ein Blaugrün. Mit 322 Gramm ist er kein Leichtgewicht.

Für Integratoren hat Sonos zudem den Amp Multi im Programm, einen Mehrzonen-Verstärker mit acht Endstufen zu je 125 Watt für bis zu vier Zonen, der bereits ausgeliefert wird.
Einordnung
Sonos 27 ist zwei Dinge zugleich. Auf der Hardware- und Systemebene ist es die überzeugendste Sonos-Vorstellung seit Jahren: Die tragbaren Surrounds und die Kopfhörer-Anbindung nutzen die Ökosystem-Stärke des Unternehmens auf eine Weise, die kein Wettbewerber so bietet, und die Beam Ultra füllt exakt das Preissegment, das Sonos im Atmos-Bereich bislang fehlte. Auf der Software-Ebene bleibt dagegen Vorsicht angebracht. Fast alles, was neu ist, trägt das Etikett Early Access, also Beta. Fast alles, was mit Sprache zu tun hat, kommt zuerst nach Amerika und auf Englisch, ohne Zusage für den deutschen Markt. Und der Hersteller, der vor zwei Jahren an einer App gescheitert ist, weil er zu viel auf einmal wollte, verspricht jetzt Sprachassistent, Agentenplattform und LLM-Schnittstelle in einem Herbst.
Für deutsche Sonos-Besitzer heißt das konkret: Ab dem 8. September lohnt sich das Update wegen der neuen App-Navigation und, wer die Hardware hat, wegen der tragbaren Surrounds. Alles andere ist vorerst eine Ankündigung. Wir werden Beam Ultra, Ace Ultra und die Fabric-Funktionen testen, sobald die Geräte Ende September verfügbar sind, und die Sprachfunktionen dann bewerten, wenn sie in einer Sprache erscheinen, die unsere Leser sprechen.
Sonos 27 auf einen Blick

| Ankündigung | 1. September 2026, Sonos Open House, Santa Barbara |
| Basis | Software-Update für alle S2-Produkte; Funktionsumfang je nach Gerät unterschiedlich; keine S1-Unterstützung |
| 8. September | Neue App-Navigation, Tragbare Surrounds (Move 2 / Sonos Play), Sonos 27mcp als Early Access (US-Englisch) |
| 29. September | Auslieferung Beam Ultra (699 Euro) und Ace Ultra (449 Euro); Headphone Linking als Early Access, nur Ace Ultra |
| Herbst 2026 | Sonos 27voice als Early Access, zunächst Englisch/USA; weitere Sprachen ohne Termin |
| 2027 | Sonos Custom Agents als fertiges Produkt (aktuell Technologievorschau) |
| Kompatible Soundbars für tragbare Surrounds | Beam Ultra, Arc Ultra, Arc, Beam (Gen 2) |
| Steuerung | Sonos 27app, Sonos 27web, Sonos 27voice, Sonos 27mcp (ChatGPT, Claude, Gemini, eigene Modelle) |
Beam Ultra

| Preis / Termin | 699 Euro, vorbestellbar, Auslieferung 29. September 2026 |
| Bestückung | 9 Class-D-Verstärker, 5 Hochtöner, 4 Tieftöner, 2 davon nach oben gerichtet; 7.1.2 |
| Formate | Dolby Atmos (DD+, TrueHD), Dolby Digital, PCM, DTS Digital Surround; kein DTS:X, kein DTS-HD MA |
| Anschlüsse | HDMI eARC/ARC, WLAN 6, Bluetooth 5.3, USB-C (Adapter für Ethernet oder 3,5 mm) |
| Maße / Gewicht | 750 x 63 x 105 mm, 2,88 kg; Schwarz oder Weiß |
| Besonderheiten | KI-Sprachverbesserung in 4 Stufen, Night Sound, Trueplay jetzt auch mit Android |

Sonos Ace Ultra
| Preis / Termin | 449 Euro, vorbestellbar, Auslieferung 29. September 2026 |
| Akustik | 40-mm-Treiber, 10 Mikrofone, ANC laut Sonos bis zu doppelt so wirksam, adaptiver EQ, Dolby Atmos mit Head-Tracking |
| Akku | 35 Stunden mit ANC; 3 Minuten Laden für 3 Stunden |
| Verbindungen | Bluetooth 6.0, aptX Adaptive Lossless, USB-C-Audio, WLAN direkt zum Sonos-System |
| Gewicht / Farben | 322 g; Schwarz, Soft White, Sand, Agave |
| Service | Ohrpolster und Akku vom Nutzer austauschbar |
