Der Jetson ONE hat bisher vor allem Freizeitpiloten und Videoclips beschäftigt, jetzt bekommt er eine Dienstmarke: Die Polizei der Florida Polytechnic University in Lakeland, Florida, ist die erste Strafverfolgungsbehörde der USA, die ein bemanntes Elektro-Fluggerät in ihren Einsatzbetrieb integriert. Der Senkrechtstarter hört auf den Namen „Astro“.
Ein Rennwagen für die Luft, jetzt im Streifendienst

Hersteller Jetson aus Kalifornien beschreibt das Gerät als Formel-1-Wagen des Himmels. Gebaut ist es aus Aluminium und Carbon, acht Elektromotoren treiben acht Propeller. Die Maße: 2,7 mal 1,6 mal 1,2 Meter, mit geklappten Flügeln noch deutlich schmaler (980 Millimeter Breite). Das Leergewicht liegt bei 55 Kilo, mit Akkus bei 115 Kilo. Der Pilot darf bis zu 95 Kilo wiegen. Gesteuert wird mit einem Vier-Achsen-Joystick.
Wer jetzt an eine Verfolgungsjagd denkt, sollte die Zahlen lesen: rund 20 Minuten Flugzeit, per Software auf 102 km/h begrenzt. Das ist keine Jagd, das ist eine Aussichtsrunde mit Auftrag. Genau dafür ist Astro gedacht: Campus und Umgebung überwachen, Orte erreichen, an die Streifenwagen schlecht kommen, nach Stürmen beim Aufräumen helfen und bei Bedarf rasch Notfallgüter liefern. Die Hochschulpolizei will dafür auch mit Behörden der Region zusammenarbeiten.

Sicherheit mit Fallschirm
Bemannt fliegen heißt Verantwortung tragen, und hier punktet Jetson mit Substanz. Der Jetson ONE hat eine vom Rennsport inspirierte Sicherheitszelle, fliegt nach dem Ausfall eines Motors weiter, besitzt eine Autolandefunktion mit Radarsensor und ein redundantes Batteriesystem. Neu ist ein Zellenfallschirm, das Ergebnis mehrerer Designschleifen und mehr als 20 erfolgreicher Testauslösungen. Der Pilot kann ihn in Sekundenbruchteilen aktivieren. Dass die Testpiloten früher dicht über dem Boden flogen, hatte laut Jetson genau hier seinen Grund.

Warteliste übersprungen, Labor gewonnen
Jetson hat die Bestellung trotz dreijähriger Warteliste vorgezogen, wegen des MINT-Profils der Uni und des Sicherheitsauftrags der Polizei. Astro soll außerdem zum Lern- und Forschungsgerät werden: Die Hochschule hat im Herbst den Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik eingeführt. Ein Flugobjekt zum Anfassen ist da ein Argument, das jeder Hörsaal-Beamer verliert.

Die Genehmigung der Federal Aviation Administration für diesen Einsatz steht noch aus, das Verfahren soll auf der Zielgeraden sein. Das Umfeld passt: Florida wurde für das FAA-Pilotprogramm zur Integration von eVTOL und Advanced Air Mobility ausgewählt, und nur vier Meilen vom Campus entfernt liegt die SunTrax-Anlage in Auburndale. Die erste spezielle Luft-Teststrecke des Landes wird vom Florida Department of Transportation betrieben, erste eVTOL-Tests sollen Ende des Jahres beginnen.
Ob ein Ein-Mann-Multikopter mit 20 Minuten Puste die Polizeiarbeit verändert, wird sich zeigen. Als Testlabor für die Frage, wie bemannte Elektroflieger in den Alltag von Behörden passen, ist der Campus in Florida jedenfalls ein kluger Anfang.
Häufige Fragen
Was plant die Polizei der Florida Polytechnic University mit dem Jetson ONE?
Die Hochschulpolizei will das eVTOL namens Astro zur Überwachung von Campus und Umgebung einsetzen. Es soll schwer erreichbare Orte anfliegen, nach Stürmen bei Aufräumarbeiten helfen und bei Bedarf rasch Notfallgüter liefern.
Hat der Jetson ONE schon die FAA-Genehmigung für den Polizeieinsatz?
Noch nicht. Die Federal Aviation Administration prüft das Gerät für diesen Einsatzzweck. Laut Universität befindet sich das Genehmigungsverfahren in der Endphase und soll auf der Zielgeraden sein.
Wie schnell und wie lange fliegt der Jetson ONE?
Die Flugzeit beträgt rund 20 Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit ist per Software auf 102 km/h begrenzt. Das Gerät wiegt mit Akkus 115 Kilo, der Pilot darf bis zu 95 Kilo schwer sein.
Welche Sicherheitsfunktionen hat der Jetson ONE?
Es gibt eine vom Rennsport inspirierte Sicherheitszelle, Weiterflug nach Ausfall eines Motors, eine Autolandefunktion mit Radarsensor und ein redundantes Batteriesystem. Neu ist ein Zellenfallschirm, der mehr als 20 Mal erfolgreich getestet wurde.
Warum bekam die Universität den Jetson ONE trotz Warteliste so schnell?
Jetson hat die Bestellung trotz dreijähriger Warteliste vorgezogen. Als Gründe nennt das Unternehmen den MINT-Schwerpunkt der Universität und den Sicherheitsauftrag der Polizeibehörde. Astro dient zudem als Lern- und Forschungsgerät.
