Wer morgens um drei Uhr schläft, während sein Haus Solarstrom in die Batterie lädt, weil gerade der Börsenstrompreis im Keller ist, hat verstanden, worum es bei modernem Energiemanagement geht. Nicht darum, Energie zu verwalten. Sondern darum, sie so einzusetzen, dass sie wirtschaftlich Sinn ergibt. Genau das verspricht Hager mit der neuen Hardware-Generation R3 seines Energiemanagement-Systems flow, das die Saarländer jetzt mit einer KI-Schicht namens AI360 ausgestattet haben. Das Resultat: ein System, das aus dem Haus einen aktiven Teilnehmer am Energiemarkt macht.
Die KI im Keller: Was AI360 wirklich tut
Am Kern jedes flow-Systems steht der Energiemanager, eine Art digitale Schaltzentrale, in der alle Datenströme zusammenlaufen. Verbrauchsprofile, PV-Ertragsprognosen, Wetterdaten, aktuelle Börsenstrompreise — all das verarbeitet die KI AI360 in Echtzeit und leitet daraus Entscheidungen ab: Wann soll die Batterie geladen werden? Wann fährt die Wärmepumpe? Wann zapft das E-Auto stattdessen selbst erzeugten Solarstrom?
Der Clou liegt im Zusammenspiel von Prognose und Markt. AI360 lernt die Lastprofile und Gewohnheiten der Bewohner und kombiniert diese mit Echtzeit-Marktdaten. Konkret bedeutet das: Das System erkennt, wenn für den nächsten Morgen Sonnenstrahlen gemeldet werden, und entscheidet, die Batterie in der Nacht nur teilweise zu laden, um sie tagsüber mit günstigerem Solarstrom zu füllen. Gleichzeitig verschiebt es den Netzbezug in günstige Stunden, wenn der Börsenpreis niedrig ist. Hager gibt an, dass sich die Energiekosten je nach Nutzung um bis zu 90 Prozent senken lassen.
Alle erhobenen Daten werden DSGVO-konform auf einem Server in Deutschland gehostet. Lokale Verarbeitung und Cloud-Kontrolle sind also getrennte Sphären, was für datenschutzbewusste Nutzer ein relevantes Detail ist. Die KI läuft serverbasiert, nicht auf einem lokalen Rechner im Keller.
Energiemanagement ist gerade das am intensivsten diskutierte Thema im Smart-Home-Bereich, und das zu Recht. Energie lokal zu produzieren und sie auch dort zu nutzen, ist die Königslösung — statt sie für Pfennigbeträge ins öffentliche Netz einzuspeisen. Systeme wie flow R3 machen das Haus dadurch nicht nur zum Energieerzeuger, sondern zum denkenden Energieerzeuger.

§ 14a EnWG und dynamische Tarife: Der gesetzliche Rahmen, den flow ausfüllt
Wer in Deutschland seit dem 1. Januar 2024 eine neue Wärmepumpe, Wallbox oder einen Batteriespeicher installiert, ist gesetzlich verpflichtet, diese Geräte steuerbar zu machen. So schreibt es § 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) vor. Die Logik dahinter: Wenn immer mehr Haushalte gleichzeitig ihre Elektroautos laden oder Wärmepumpen anwerfen, kann das lokale Verteilnetz überlasten. Netzbetreiber dürfen deshalb bei nachgewiesener Netzüberlastung steuerbare Verbrauchseinrichtungen temporär auf eine Mindestleistung reduzieren — aber nicht komplett abschalten. Im Gegenzug erhalten Haushalte ein dauerhaft reduziertes Netzentgelt.
flow R3 ist von Haus aus konform zu § 14a EnWG sowie zu § 9 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Das ist kein Luxusmerkmal, sondern seit Anfang 2024 schlicht Voraussetzung für den legalen Betrieb neu installierter Anlagen. Was flow darüber hinaus bietet, ist die Fähigkeit, diesen gesetzlichen Zwang in einen wirtschaftlichen Vorteil umzumünzen: durch die aktive Nutzung dynamischer Tarife und variabler Netzentgelte.
Dynamische Stromtarife, wie sie Tibber, aWATTar oder Octopus Energy in Deutschland anbieten, koppeln den Strompreis stündlich an den EPEX-Spotmarkt. Seit dem 1. Januar 2025 sind alle deutschen Stromanbieter gesetzlich verpflichtet, mindestens einen dynamischen Tarif anzubieten. Für Haushalte ohne steuerbare Großverbraucher wie Wärmepumpe oder Wallbox lohnt der Wechsel kaum. Wer aber ein System wie flow R3 betreibt, kann Lasten gezielt in günstige Stunden verschieben und dabei laut Marktbeobachtern 15 bis 25 Prozent gegenüber einem vergleichbaren Fixpreisvertrag sparen — vorausgesetzt, er nutzt das System aktiv.

Modularer Aufbau: Vom Einstieg bis zur Komplettanlage
flow R3 ist nicht als Alles-oder-nichts-System konzipiert. Hager verfolgt einen Stufenansatz, der es erlaubt, klein anzufangen und das System schrittweise auszubauen. Auf der untersten Stufe arbeitet der Energiemanager ohne eigene PV-Anlage oder Speicher und optimiert lediglich den Betrieb vorhandener steuerbarer Geräte, also etwa einer bereits installierten Wärmepumpe oder Ladestation, durch den Einsatz dynamischer Tarife.
Wer eine PV-Anlage integriert, fügt den flow R3 Hybridwechselrichter hinzu. Das Gerät leistet 12 kW AC und ist für eine PV-Leistung von bis zu 18 Kilowatt-Peak ausgelegt. Drei unabhängige MPP-Tracker ermöglichen die Belegung von Dächern mit mehreren Ausrichtungen, was für Gebäude mit komplexer Dachgeometrie relevant ist. Der nächste Schritt ist der LFP-Batteriespeicher in Hochvolt-Technologie: Die nutzbare Kapazität beginnt bei 5,5 kWh und lässt sich auf bis zu 14,75 kWh erweitern. Die Be- und Entladeleistung liegt bei 6 bis 12 kW. Nach Hager-Angaben ist eine Erweiterung auf bis zu 30 kWh möglich, wenn zwei Batterietürme pro Wechselrichter genutzt werden.
Die Komplettlösung ergänzt das System um die flow ATS-Box (Automatic Transfer Switch), die im Fall eines Netzausfalls innerhalb von 20 Millisekunden auf Inselbetrieb umschaltet und dabei bis zu 63 Ampere Nennstrom bereitstellt. Für Gewerbeanwendungen ist das ein praktisches Versprechen: Kleingewerbetreibende können damit bei Netzausfall unterbrechungsfrei bis zu 24 kW weiternutzen.

Mehrfamilienhäuser und Gewerbe: System-Farming bis 24 kW
flow R3 endet nicht am Einfamilienhaus. Für Mehrfamilienhäuser und Kleingewerbe lassen sich bis zu fünf Systeme miteinander verschalten — Hager nennt das „System-Farming“. Das erlaubt Anlagen jenseits der Möglichkeiten einer einzelnen Einheit und macht flow R3 für Mieterstrommodelle interessant, bei denen selbst erzeugter Solarstrom direkt an Mieter verteilt wird.
Im Bereich Elektromobilität lassen sich bis zu acht Hager witty-plus-Ladestationen einbinden, mit verschiedenen Lademodi und OCPP-Integration. Das Protokoll OCPP (Open Charge Point Protocol) ist ein offener Standard für die Kommunikation zwischen Ladestationen und Abrechnungssystemen, der eine rechtssichere Abrechnung einzelner Ladevorgänge ermöglicht. Das ist besonders relevant für Unternehmen mit Mitarbeitendenflotten oder Gebäudeverwalter, die den Verbrauch je Wohneinheit oder Stellplatz abrechnen müssen. Die Erfassung der Energieströme erfolgt dabei über geeichte MID-Zähler.
Wechselrichter und Batterien können mit einem Abstand von bis zu 30 Metern voneinander montiert werden und sind dank Schutzart IP65 auch für den Außeneinsatz geeignet. Das erleichtert die Installation in Gebäuden, bei denen Dach und Technikraum weit auseinanderliegen.
KNX-Integration: Energiemanagement trifft Gebäudeautomation
Für Gebäude mit vorhandener KNX-Installation, dem in Europa verbreiteten Gebäudebus-Standard für die vernetzte Steuerung von Beleuchtung, Beschattung, Heizung und mehr, bietet Hager eine direkte Anbindung über den domovea-Server. So können beide Welten, Energiemanagement und klassische Gebäudeautomation, in einem System zusammenwachsen.
Das ist technisch sinnvoll: Ein KNX-System, das weiß, wann welche Räume besetzt sind, kann diese Information an den Energiemanager weitergeben, der dann die Heizungs- oder Klimasteuerung entsprechend anpassen kann. Solche Querverbindungen sind es, die ein Energiemanagement-System von einem reinen Wechselrichter unterscheiden.
V2X: Das E-Auto als Haushaltsspeicher, Schritt für Schritt
Eine der technisch ambitioniertesten Ankündigungen in Hagers Roadmap für flow R3 ist das bidirektionale Laden, in der Branche als V2X zusammengefasst. Dahinter stecken drei Szenarien: Vehicle-to-Home (V2H), bei dem das E-Auto als Haushaltsspeicher dient; Vehicle-to-Building (V2B) für gewerbliche Gebäude; und Vehicle-to-Grid (V2G), bei dem das Fahrzeug Strom ins öffentliche Netz zurückspeist.
Hager beschreibt V2X für flow R3 als geplante Funktion, die noch nicht aktiv ist, aber über Software-Updates nachgerüstet werden soll. Das passt zur Marktlage: Mit der EnWG-Novelle vom November 2025 hat der Bundestag die doppelte Netzentgeltbelastung beim bidirektionalen Laden abgeschafft, was V2G in Deutschland erstmals wirtschaftlich interessant macht. Dazu setzt seit März 2026 die technische Norm VDE-AR-N 4105:2026-03, die erstmals klare Standards für die Rückspeisung definiert.
Die Hardware-seitige Hürde ist ebenfalls real: V2H und V2G benötigen ein kompatibles Fahrzeug sowie eine zertifizierte bidirektionale Wallbox. In Deutschland sind entsprechende DC-Wallboxen seit Frühjahr 2026 verfügbar, und eine wachsende Zahl von Fahrzeugen unterstützt V2H, darunter bestimmte Modelle von Škoda und Cupra. Die technische Vorbereitung in flow R3 ist also zeitlich gut positioniert: Bis die Funktion per Update aktiviert wird, dürfte der Markt reif genug sein.
Einschränkung für Kaufinteressenten: Hager nennt keinen konkreten Termin für die Aktivierung der V2X-Funktion per Software-Update. Wer bidirektionales Laden als feste Anforderung hat, sollte diesen Punkt vor der Kaufentscheidung klären.
Zehn Jahre Garantie: Was das in der Praxis bedeutet
Hager gibt auf das gesamte flow-R3-System zehn Jahre Garantie, konkret auf 80 Prozent der Batteriekapazität. Das ist für einen LFP-Speicher (Lithium-Eisenphosphat) ein solides, aber nicht ungewöhnliches Versprechen — LFP-Zellen gelten als besonders zyklenfest und langlebig. Gleichzeitig sagt Hager zu, regelmäßige kostenlose Software-Updates bereitzustellen, die das System an neue Marktanforderungen anpassen.
Das hat einen konkreten Hintergrund: Dynamische Tarife, variable Netzentgelte und neue gesetzliche Anforderungen ändern sich im Jahrestakt. Ein Energiemanagement-System, das heute konform ist, muss morgen womöglich nachjustiert werden. Software-Updates als Teil des Leistungsumfangs sind deshalb kein Marketing-Versprechen, sondern eine Notwendigkeit — und Hager macht sie zum Bestandteil des Kaufvertrags.
Für Installateure ist außerdem relevant, dass flow R3 als Einmann-Montage ausgelegt ist und eine online-basierte Fernparametrierung ermöglicht. Das reduziert den Aufwand vor Ort und beschleunigt die Inbetriebnahme. In einem Markt, in dem qualifizierte Elektrofachkräfte knapp sind, ist das kein trivialer Vorteil.
